Aurelius Augustinus

Die Welt ist ein Buch. Wer nicht reist, sieht nur eine Seite davon.
~Aurelius Augustinus~

Montag, 8. Mai 2017

Living la Vida Nica

Das war ich nun also nach 16 Stunden Fahrt endlich in León angekommen und konnte mein Bett beziehen. Leider ging es mir alles andere als gut. Das leichte Kratzen im Hals, dass sich schon während der Reise bemerkbar gemacht hat, wurde immer schlimmer. Nichtsdestotrotz entschied ich mich für den nächsten Tag eine Tour zu buchen. Die Gegend um León ist für die vielen Vulkane bekannt. Einer davon ist der Cerro Negro, der jüngste und aktivste Vulkan in Nicaragua. Er ist erst 1850 entstanden und seither über 20-mal ausgebrochen, das letzte Mal in 1999. Hier hat man die einmalige Gelegenheit auf einem Holzbrett über den Vulkanschotter den Hang hinabzufahren. Das Ganze nennt sich Volcano Boarding und ist die beliebteste Aktivität in der Gegend.


Volcano Boarding ist nichts für Pussies


Nun ja, trotz Halsweh meldete ich mich zusammen mit den Britischen Pärchen für den Ausflug an. Am Vormittag wurden wir am Hostel abgeholt und zuerst ins Büro des Veranstalters gebracht. Hier durften wir erst einmal zahlen und bekamen noch ein Tshirt als Erinnerung. Danach ging es wieder in den Jeep und wir fuhren zum National Park, wo sich der Cerro Negro befindet. Am Fusse des 728 Meter hohen Vulkans erhielten wir unser Equipment. Dazu gehörte das Brett aus Sperrholz mit einer dünnen Schicht Metall am Boden und ein Rucksack mit Overall, Handschuhen und Schutzbrille. 

Nach den obligatorischen Gruppenfotos begann der 45-minütige Aufstieg über Felsbrocken zum Kraterrand hinauf. Dies war alles andere als leicht mit dem Brett auf dem Rücken. Zwischendrin kam ein Wind auf, gegen den man sich ganz schön stemmen musste. Ausserdem musste man aufpassen, dass der Vordermann einem nicht sein Brett über den Kopf zieht. Immer schön Abstand halten. Oben angekommen bot sich uns eine tolle Aussicht. Auch hier machten wir ein paar tolle Gruppenfotos, bevor wir unsere Overalls überzogen und uns bereit machten zur Abfahrt.





Schlitteln auf schwarzem Sand


Ok, ich hatte also den Overall an, Handschuhe und Schutzbrille montiert und mir ein Tshirt als Mundschutz umgebunden. Ich sass parat auf meinem Brett. Es hat etwas von Schlittenfahren, nur dass das Brett flach ist. Man sitzt hinten, hat die Füsse vorne neben dem Brett in Vulkansand und hält sich am Seil fest. Zum Bremsen muss man sich aufsetzen und die Füsse in den Sand drücken, um schneller zu fahren löst man die Füsse etwas und lehnt sich zurück. Aber niemals die Füsse anheben oder gar auf das Brett stellen. Dann verliert man nämlich die Balance und kann stürzen. Schürfwunden und Knochenbrüche gibt es des Öfteren, insbesondere bei Personen, denen es nicht schnell genug gehen kann. 

Es sollte also los gehen. Wir sassen alle brav in einer Reihe auf unseren Brettern und warteten auf das Kommando unserer Guides. Ich war eine der Ersten und machte mich bereit. Es ging los! Naja, zu Beginn nicht ganz so rasend wie erwartet, denn die ersten paar Meter sind eher flacher. Danach folgt irgendwann die steile Abfahrt. Ich werde immer schneller, sehe die Landschaft immer zügiger an mir vorbeiziehen, Sand und Steine fliegen nur so an mir vorbei. Mittendrin fahre ich an unserem Guide vorbei, der Fotos von allen macht. Ich grinse breit, bis mir einfällt, dass ich sowieso einen Mundschutz trage. Es war einfach ein einmaliges Gefühl, auf einem Holzbrett einen aktiven Vulkan hinunter zu schlittern. Sicher unten angekommen, stelle ich dann noch fest, dass weder Mundschutz noch Schutzbrille etwas gebracht haben. Mein Gesicht, Haare und Mund sind voller Vulkansand. 



Leider hat der Ausflug mir schlussendlich nicht ganz so gut getan. Mein Hals tat immer noch weh und es wurde nicht besser. Ich marschierte in den Supermarkt und besorgte mir ein paar Halstabletten und anderes gegen Halsweh. Dies hat dann irgendwann auch geholfen und mir ging es besser. Viel habe ich in diesen paar Tagen nicht untennommen. Ich bin etwas durch León spaziert und habe mir einige Sehenswürdigkeiten angschaut. Immer nur für kurze Zeit. 


Die grösste Kathedrale in Zentralamerika


Eine der Sehenswürdigkeiten, die mich besonders beeindruckt hat, war die Kathedrale von León. Das Dach ist begehbar und man geniesst von oben eine tolle Aussicht über die Stadt und die Vulkane in der Umgebung. Um Zutritt zum Dach zu erlangen, musste ich erst zur Rückseite gehen. Dort gibt es einen schmalen Tunnel, an derem Ende eine ältere Dame hinter Gittern Tickets verkauft. Mit diesem Ticket ging ich dann zum Seiteneingang des linken Turms, wo sich eine enge Wendeltreppe nach oben befindet. Oben angekommen, musste ich erst einmal meine Schuhe ausziehen. Das Dach ist nämlich komplett weiss und sie wollen verhindern, dass die Besucher es verschmutzen. 

Barfuss spazierte ich also über das weisse Dach der grössten Kathedrale in Zentralamerika. Wie cool war das denn? Sehr cool! Aber auch etwas heiss an den Füssen, denn die Sonne knallt. Es ist definitiv empfehlenwert dort hochzugehen. Die Aussicht ist super. Ausserdem fühlte ich mich etwas an ein griechisches Dorf erinnert. Alles war weiss und der Himmel strahlend blau.





Eine andere Sehenswürdigkeit, die ich anschauen ging, war das Museum für moderne Kunst. Es ist die grösste Sammlung in Zentralamerika und in privater Hand. Man zahlt ein Eintrittsgeld von rund drei Dollar und kann dafür beide Gebäude, die gegenüber liegen, anschauen gehen. Es ist wirklich ein schönes Museum. Nicht nur die Kunstwerke sind toll, sondern auch die Gebäude sind beeindruckt. Beide haben einen Innenhof mit Pflanzen, die Gemälde sind drumherum an den Wänden aufgehängt. Ich habe mich zwar gefragt, wie Ölgemälde bei dieser Hitze draussen überdauern, aber was weiss ich schon. Es funktioniert anscheinend. Das es eine private Sammlung ist, konnte ich leider keine Bilder im Innern machen.


Ab ans Meer - was sonst?


Als es mir besser ging, entschied ich mich einen Tag und eine Nacht am Meer zu verbringen. Nicht weit von León gibt es zwei Strände, die durchaus einen Besuch wert sind. Ich wollte nach Las Penitas und hatte mir dort auch schon eine einfache Unterkunft gebucht. Mit dem lokalen Bus, einem sogenannten Chickenbus, wollte ich am Vormittag anreisen. Dazu musste erst einmal rund 20 Minuten zum kleinen Markt im Westen von León laufen und dort auf den Bus steigen. Sobald der Bus voll ist, fährt er ab. Obwohl es nur knapp 22 Kilometer sind, dauert es dann eine gute Stunde, bevor er ankommt. So ein Chickenbus hält ständig und überall. 

Es war wirklich toll, endlich mal wieder am Strand zu sein. Ich ging etwas die Küste entlang spazieren, las mein Buch und kühlte mich zwischendrin immer mal wieder im Wasser ab. Ausserdem konnte ich ein paar Surfer beobachten. Die Wellen waren nicht besonders gut, es hatte aber ein paar lokale Kinder, die auf ihren kurzen Brettern noch etwas reissen konnten. Am Abend trank ich noch ein Sonnenuntergangsbier. Der Sonnenuntergang hier ist einfach wunderschön. Anschliessend ging ich in mein Hostel.





Zurück nach León und auf zum Fortress Friday


Bis zum Nachmittag blieb ich noch am Meer, machte mich dann aber auf Weg zurück nach León. Für die Rückfahrt stellt man sich einfach an die Strasse und wartet bis der Bus kommt. Sobald man ihn sieht, winkt man ihn ran, ansonsten fährt er weiter. Der Bus war leider ziemlich voll und ich musste die gesamte Fahrt eingequetscht zwischen den Leuten stehen. Anschliessend musste ich eben noch ewigst lang laufen bis ich am Hostel ankam. Dort konnte ich aber gleich wieder ein Bett beziehen. Ich war froh wieder zurück zu sein, ich fühlte mich wirklich wohl dort. Das Poco a Poco Hostel organisiert jeden Freitag eine Tour mit dem Namen "Fortress Friday" und ich wollte unbedingt teilnehmen. Mit ein Grund, warum ich immer noch dort war. 

Der Ausflug am späten Nachmittag führt zu einem verlassenen Gebäude ausserhalb von León und bietet einen interessanten Einblick in die aufwühlende Geschichte der Stadt. Unser Guide Anry hat die Geschichte an diesem einsamen Ort wieder zum Leben erweckt. Und es ist bei weitem keine schöne Geschichte. Die Stadt wird noch heute von der FSLN regiert, der Sandinistischen Nationalen Befreiungsfront, eine politisch links orientierte Partei. Die Partei ging aus der gleichnamigen Guerillaorganisation hervor, die Ende der 70er Jahre die Diktatur der Somozas stürzte und das Land daraufhin regierte. Die Diktatur wurde in den vorangehenden 40 Jahren von den Vereinigten Staaten von Amerika unterstützt, die sich so wirtschaftliche Vorteile gesichert und das Land ausgebeutet hatten. 

Anfang der 80er Jahre formierte sich eine Guerilla-Gruppierung, die die sandinistische Regierung im sogenannten Contra-Krieg von 1981 bis 1990 bekämpfte. Diese Rebellen waren mehrheitlich Mitglieder der Nationalgarde der diktatorischen Regierung Somozas und wurden massgeblich von der US-Regierung unterstützt. Sie führten Anschläge auf die öffentliche und wirtschaftliche Infrastruktur aus und töteten im Laufe des Konflikts rund 60'000 unbeteiligte Zivilisten. Auch in León tobte zu der Zeit der Bürgerkrieg, es gab Anschläge auf Gebäude im Stadtzentrum und die Sandinisten wehrten sich. Das Fortress, zu dem der Ausflug uns führte, ist zu der Zeit ein Gefängnis gewesen und es wurden hier Leute gefoltert. Wirklich unvorstellbar, dass die alles noch gar nicht so lange zurückliegt. Ich hoffe, ich konnte die Geschichte kurz und verständlich zusammenfassen.

Nach dem geschichtlichen Rundgang auf dem Gelände des Gefängnisses, gingen wir zum netten Teil des Abends über: Sonnenuntergang, Bier und Essen. Wir hörten Musik, es gab ein Lagerfeuer und währenddessen versank die Sonne langsam im Pazifik. Da das Gebäude etwas erhöht an einem Hang liegt, hat man von hieraus einen wundervollen Ausblick auf León, die umliegenden Vulkane und das Meer. Es war wirklich ein guter Abend. 






Volunteering auf Reisen


Ich war also bereits seit einer Woche in León und ich wusste nicht so genau, wie es weitergehen sollte. Während meiner Reise durch Mexiko, Belize und Guatemala hatte ich bereits einige Leute getroffen, die während ihrer Reise gegen Kost und Logi arbeiten. Das klang für mich sehr interessant. Ich konnte gut eine Pause vertragen und etwas Geld sparen schadet natürlich auch nie. So entschied ich mich dazu, auf der Seite workaway zu schauen, was für Möglichkeiten es gibt, vor allem für Costa Rica. Ich wusste aber, das es nicht leicht werden würde. Viele Leute waren auf der Suche nach Stellen. Ich schickte ein paar Bewerbungen für Hostels in Strandorten in Costa Rica raus, erhielt aber bis heute keine einzige Rückmeldung.

Da kam ich plötzlich auf die Idee, einfach mal beim Poco a Poco Hostel anzufragen. Sie hatten immer einen Freiwilligen, der ihnen an der Rezeption und mit den Veranstaltungen half. Sophie und Wout sind ausserdem ganz tolle Menschen, weshalb man sich in dem Hostel auch gleich so wohl fühlt. Ich nutzte die Chance und redete kurz mit Sophie darüber. Sie sagte mir, dass sie mir nichts versprechen kann, aber sie würde es mit Wout anschauen. Lange musste ich nicht warten bis er mir mitteilte, dass durchaus eine Möglichkeit besteht, wenn ich wirklich bleiben möchte. 

Die Bedingungen klangen sehr gut. Ich würde fünf Tage die Woche für jeweils sechs Stunden arbeiten und im Gegenzug kostenfreie Unterkunft im Schlafsaal, täglich Frühstück, Geld fürs Mittagessen und Beteiligung an der Kommission für Touren und Busse erhalten. Allerdings würde ich erst knapp zwei Wochen später anfangen können und das Minimum waren vier Wochen. Für mich klang das nach einem Deal. Warum sollte ich weiter nach einer Stelle suchen, wenn ich hier an einem Ort war, der mir gefiel? Die verbleibende Zeit konnte ich für eine kleine Rundreise durch Nicaragua nutzen.

Wir machten ab, dass ich am 1. März anfangen würde und ich schmiedete Pläne für meine Reise durch das Land bis dahin. Ich wollte mich dabei auf einige wenige Orte beschränken, so dass ich nicht zu viel Zeit in Bussen verbringen musste. Als erstes verschlug es mich wieder nach Las Penitas. Ich kann nicht sagen, was es war. Aber der Ort ist toll. Es hat immer sehr viele Einheimische dort. Sie spielen mit ihren Kindern in den Wellen, essen und trinken. Es wirkt echt und nicht wie ein Touri-Ort. Ich verbrachte Zeit am Strand, ging einen Tag etwas Surfen und liess es mir einfach gut gehen. 



Donnerstag, 27. April 2017

Guatever - zum Dritten

Der Acatenango war also bezwungen und wir mega stolz auf unsere Leistung. Anschliessend sollte es weitergehen an den Lago de Atitlán, der zweitgrösste See in Guatemala. Zufälligerweise hatte die ganze Gruppe das gleiche Datum ins Auge gefasst, um an den See zu fahren. Erstes Ziel war der beliebte Backpacker-Ort San Pedro. Hier gibt es jede Menge Party, und das stand für meine Reisegspänli auch zuoberst auf der Prioritätenliste. Sie hatten sich deshalb auch schon im Vorfeld in die Partyhochburg schlechthin eingemietet. Mich machte das so gar nicht an. Ich hatte mich für eine andere Unterkunft entschieden. In die Bar vom Partyhostel konnte ich schliesslich jederzeit gehen, wenn ich die anderen sehen wollte. Soweit unsere Pläne. 


Gruppe Acatenango entert San Pedro La Laguna


Gemeinsam nahmen wir ein Shuttle von Antigua nach San Pedro und kamen dort bereits gegen Mittag an. Die Fahrt ging ziemlich schnell vorüber und die Aussicht auf den See war auf den letzten Kilometern den Hang hinab einfach traumhaft. Wir machten keine grossen Pläne, San Pedro ist so klein, dass wir uns sowieso früher oder später über den Weg laufen würden. Nachdem ich mein Hostel bezogen hatte, bin ich etwas durch den Ort geschlendert und habe dabei prompt einen der Jungs, den David aus Australien, wiedergetroffen. Wir entschlossen uns zu einem Spaziergang kreuzundquer, um das Zentrum auszukundschaften. 

Sobald man im Ort nämlich die Haupttourimeile verlässt, findet man ein echtes Dorf mit lokaler Bevölkerung vor. Es geht bergauf, bergab, um zahlreiche Ecken und durch verwinkelte Gassen; unterwegs begegnet man Marktfrauen und Schulkindern. Wir haben im Gewimmel noch eine kleine, sehr gute und günstige Bäckerei entdeckt. Das hat mir an San Pedro besonders gut gefallen und mir gezeigt, dass es eben nicht nur ein Partyort ist. Auch wenn ich zugeben muss, dass die Party eindeutig im Vordergrund steht. Bier und Drinks sind überall ziemlich günstig und die eine oder andere Happy Hour beginnt bereits um 14 Uhr. 

David und ich haben uns dann auch bereits vor 16 Uhr ein Bierchen gegönnt, in der Literflasche selbstverständlich. Danach sind wir zur Bar des Partyhostel, um die anderen zu treffen. Es wurde noch ein richtig lustiger Abend. Irgendwann sprang David plötzlich auf und lief davon, um einen Typ zu begrüssen, der soeben mit dem Velo ankam. Dabei handelte es sich um den Deutschen Janosch, der mit dem Velo quer durchs Land reist, von den USA durch Mexiko nach Guatemala. Und dabei haben die beiden Jungs sich kennengelernt. Wie ich nun weiss, gibt es da eine riesige Community von Leuten, die mit dem Fahrrad die verschiedensten Länder der Erde bereisen. Ziemlich cool! Janosch gesellte sich dann noch zu uns. 






Wow, was für eine atemberaubende Aussicht!


Ich wollte natürlich nicht nur Party machen. Man kann in der Gegend nämlich noch einen Vulkan besteigen. Der gleichnamige Vulkan San Pedro ist mehr oder weniger der Hausberg des Dorfes. Er ist knapp 3'000 Meter hoch und definitiv die Wanderung wert. Am Morgen, nicht allzu früh, wollte ich losziehen. Natürlich fragte ich all meine neuen Wanderfreunde, ob sie mich nicht begleiten wollen. Die Mädels lehnten gleich ab, die Jungs stimmten zu meiner Überraschung alle zu. Im Laufe des Abends und mit wachsendem Bierkonsum, wich die anfängliche Euphorie einer eher gespaltenen Haltung zu meinem Vorschlag. Irgendwann verabschiedete ich mich ins Bett und von alle drei sagten nur "wenn ich bis dann und dann nicht da bin, geht ohne mich".

Natürlich kann sich jetzt jeder vorstellen, was am nächsten Morgen war, gell?! Genau, ich fuhr allein ab. Zum Anfang des Weges nahm ich ein Tuktuk, zahlte am Eingang das Eintrittsgeld und marschierte mit Guide und zwei Amerikanern ab. Der Guide begleitete uns nur die ersten 20 Minuten, beschrieb uns dann noch kurz den Weg und machte sich davon. Die zwei Amis stoppten ständig, so dass ich mich dann auch bald von ihnen verabschieden musste. Kleine Bemerkung vorab, sie erreichten den Gipfel eine Stunde nach mir. Ich sass da immer noch dort und genoss die Aussicht. 

Die Wanderung war anstrengend, aber ich kam gut voran. Ich bin ziemlich langsam gelaufen, habe dafür aber kaum eine Pause gemacht. Ich habe gemerkt, dass dies für mich besser ist. So komme ich in einen guten Rhythmus und bin weniger schnell kaputt. Da muss ich jetzt auch dazu sagen, dass ich auch viele Leute überholt habe. Viele von denen waren mit richtigen Tourguides unterwegs, die sie bis zum Gipfel begleiteten. Der Weg ist mitunter ziemlich steil und führt mehrheitlich durch den Wald. Zu Beginn kommt man noch an kleinen Kaffeeplantagen oder Maisfeldern vorbei. Dabei kann man noch auf den See und das Dorf selbst sehen. Ausserdem gibt es noch einen Mirador, einen Aussichtspunkt auf halber Strecke. 

Ahja, und was es kurz vorm Gipfel gibt: einen Geocache! Jep, auch auf einem Vulkan in Guatemala bin ich mitten durch den Busch gekrochen, um eine Dose zu finden. Und ich habe sie gefunden. In dem Moment war ich auch sehr froh, dass die drei Jungs nicht dabei waren. So konnte ich meinen kleinen Triumpf ungestört feiern. Danach waren es nochmals rund 15 Minuten bis ich am Gipfel war und der ganze Weg führte weiterhin durch den dicht bewaldeten Dschungel. Deshalb ahnte ich bis zuletzt nicht, welche Aussicht mich da erwartete. 

Was für eine Belohnung für all die Mühe beim Aufstieg das war. Ich kam um die Ecke und unter mir erstreckte sich urplötzlich diese riesige See. Die Jungs verpassten eindeutig etwas. Obwohl, nicht alle... Während ich dort so sass und die Aussicht auf mich wirken liess, kam doch tatsächlich Janosch angesprintet. Er hatte verschlafen und war eine Stunde nach mir gestartet. Wir sassen oben noch etwas zusammen rum, machten ein paar Bilder, genehmigten uns den einen oder anderen Snack und stiegen dann zusammen runter. 





Auf geht's in das Hippie-Dorf am See


Schon vorher haben mir immer alle von San Marcos erzählt, ein anderes Dorf am See. Es gilt als eines der schönsten Dörfer am See und als spirituelles Zentrum. Es gibt unzählige Ort, die Yoga und Massagen anbieten, man kann problemlos vegetarisch essen gehen und am Abend einem Trommelkreis beiwohnen. Für ein paar Nächte wollte ich dorthin gehen, um zu schauen, ob es mir auch gefallen würde. Ich war mir da nämlich nicht so sicher. Alle hatten mir empfohlen ins Hostal del Lago zu gehen. Dort ist es aber schwierig ein Bett zu bekommen. Sie nehmen keine Reservationen an. Man taucht einfach auf und fragt nach der Verfügbarkeit. Sobald man ein Bett ergattert hat, kann man bleiben solange man will. Vorausgesetzt man gibt bis zur Check-out Zeit Bescheid. An sich ein gutes Konzept, man muss eben einfach Glück haben. 

Ich kam dort gegen Mittag an und hatte bereits keine Chance auf ein Bett. Der mehr oder weniger nette Typ an der Rezeption teilte mir und der Israelin, die mich begleitete, mit, dass wir da schon früher kommen müssten. Ab um 8 Uhr am Morgen kommen die ersten Leute und lassen sich auf die Liste schreiben. Anhand dieser Liste werden die freiwerdenden Betten anschliessend verteilt. Wir wären aber herzlich willkommen, dort abzuhängen. Somit zogen wir mit unserem Gepäck weiter. Nebenan gab es noch eine sehr einfache Unterkunft und wir mieteten uns dort in ein Doppelzimmer ein. 

Den Rest des Tages verbrachten wir dann im Hostel del Lago. Wir gingen im See schwimmen, sonnten uns und tranken am Abend ein Bier. Eben, hier gab es dann auch den Trommelkreis. Ich kann das gar nicht beschreiben und ich will mich schon gar nicht darüber lustig machen. Es war einfach so anders und speziell. Und damit auch sicher nichts für jedermann. Wir kamen dort also an und die Leute sassen bereits im Kreis. In der Mitte des Kreises brannte ein Feuer. Naja, und sie trommelten. Jeder für sich und doch alle miteinander. Das Ganze ging dann mehrere Stunden. Irgendwann tanzten auch einige. Wir blieben gerne einfach Zuschauer. 

Es war ok, aber es hat mich nicht umgehauen. Eventuell wäre es anders gewesen, wenn ich ein Bett in eben diesem Hostel erhalten hätten. So hielt mich dann aber nicht viel in San Marcos. Allgemein hatte ich langsam das Gefühl, dass es Zeit wurde, Guatemala zu verlassen und weiterzuziehen. Nicht dass es nicht mehr zu sehen gehabt hätte, ich war nur schon drei Wochen dort. Ausserdem hatte ich eine Einladung zu einem 30. Geburtstag in Antigua erhalten. Janosch würde an dem folgenden Wochenende 30 Jahre alt werden und hatte vor mit einiger seiner Velofreunden zu feiern. Da wollte ich gerne dabei sein.  






Wir schwingen das Tanzbein in Antigua


Ich machte mich also wieder auf den Weg nach Antigua, um dort Janosch und seine Velofreunde zu treffen. Er feierte in seiner Unterkunft, gemeinsam kochte er mit ein paar der anderen ein feine Sachen, mit denen wir uns Fajitas machten. Sehr lecker. Dazu gab es jede Menge Bier. Später ging es auf in eine Bar, um noch eine Runde zu tanzen. Da ich wieder im Tropicana übernachtete und die einen speziellen Deal mit der Bar haben, hatten wir den ganzen Abend vergünstigte Drinks. Es lief viel Salsamusik und das Publikum bestand aus vielen Guatemalteken - was ein Spass. Alle waren gut drauf und es wurde ein gelungener Abend. Einer meiner letzten Abende in Antigua und allgemein in Guatemala. 

Ich hatte mich bereits entschieden, von Antigua aus ein Shuttle nach León in Nicaragua zu nehmen. Dies kostete mich rund USD 80, war es aber wert. Lange hatte ich überlegt von Guatemala-Stadt nach Managua zu fliegen, da die Tickets recht günstig waren. Allerdings wollte ich nach León, dass heisst ich hätte noch zwei zusätzliche Transfers benötigt. Von Antigua zum Flughafen Guatemala-Stadt und später noch einen von Managua nach León. Das machte alles komplizierter. Ausserdem helfen die Fahrer bei den Grenzübergängen, schliesslich gab es auf der Strecke drei Stück zu passieren. 


Mitten in der Nacht ging es los nach Nicaragua


Um 2 Uhr morgens sollte mich das Shuttle also im Hostel abholen, rund 20 Minuten vorher stand ich wie verlangt parat. Leider kam keiner. Erst dachte ich, dass würde schon passen, es läuft nicht alles so pünktlich ab wie daheim. Als nach rund 45 Minuten immer noch keiner da war, fragte ich den Nachtwächter, ob er es für mich abklären könnte. Nach einem kurzem Telefonat hiess es, sie wären unterwegs. Und tatsächlich, rund 20 Minuten später klopfte es und das Shuttle stand vor der Tür. Grund für die Verspätung: sie hatten mich vergessen und waren schon ausserhalb von Antigua als sie feststellten, dass ich fehlte. Sie drehten um und holten mich. Es konnte also losgehen. 

Da wir eine Verspätung von mehr als einer Dreiviertelstunde hatten, trat unser Fahrer richtig aufs Gas. Er wollte es rechtzeitig an die Grenze schaffen, bevor es zu voll sein würde. Als wir uns dem Grenzübergang zu El Salvador näherten, warteten aus schon etliche Lastwagen, um passieren zu können. In sehr riskanten Überholmanövern schlengelte sich der Fahrer an alles vorbei und hielt zuvorderst vor dem Schalterhäuschen. Wir stiegen aus und holten uns unsere Ausreisestempel aus Guatemala. Danach ging es hinein nach El Salvador. Hier war es etwas komisch. Mitten an der Strasse standen zwei Beamte in Uniform. Ohne das Fahrzeug verlassen zu müssen, zeigten wir ihnen unsere Pässe. Sie kontrollierten den Stempel und liessen uns weiterfahren. 

Nachdem wir an einer Tankstelle in El Salvador eine Pause einlegten, wurde es etwas skurril. Erst hielten wir in El Tunco an und liessen ein paar Leute aussteigen. Danach hielten wir mitten im Nirgendwo, wo bereits ein Van wartete, der in die Gegenrichtung fuhr. Es stiegen ein paar Leute zu uns um. Wir fuhren ein Stück weiter, wo wieder ein Auto wartete. Dort wurden dann ebenfalls Personen und Gepäckstücke umgeladen. Es ging weiter zur Grenze zu Honduras. Hier sammelte einer der Fahrer unsere Pässe und das Geld für die Gebühren ein. Bei dem Grenzübergang zwischen El Salvador und Honduras mussten wir noch nicht einmal den Van verlassen. Der Fahrer ging mit unseren Pässen zu den jeweiligen Schaltern und kam nach wenigen Minuten wieder. Die Fahrt durch Honduras ging sehr schnell, da es nur eine kurze Strecke war. 

An der Grenze zu Nicaragua ging es dann etwas länger. Obwohl der Fahrer sich wieder um unsere Stempel kümmerte, dauerte die ganze Sache rund eine Stunde. Wir stiegen aus und kauften uns Getränke und Snacks, danach hiess es einfach warten. Was genau so lange dauerte, blieb uns ein Rätsel. Schliesslich waren es nur sieben ausländische Pässe, die gestempelt werden mussten. Und dazu wollten sie weder unsere Gesichter noch unsere Pässe sehen. Als der Schalterbeamte endlich soweit war, konnten wir unsere Pässe wiederhaben und die Fahrt ging weiter. Endlich waren wir in Nicaragua, aber noch lange nicht in León. Das erreichten wir als die Sonne bereits untergegangen war. Knapp 16 Stunden hatten wir gebraucht.


Willkommen in León, willkommen im Poco a Poco Hostel


Wir waren endlich da! Und das Tolle war, dass das englische Pärchen aus dem Shuttle das gleiche Hostel wie ich gebucht hatte. Somit machten wir uns gemeinsam auf den Weg und kamen nach wenigen Minuten im Poco a Poco Hostel an. Wer hätte da gedacht, wie lange ich dort bleiben würde.