Aurelius Augustinus

Die Welt ist ein Buch. Wer nicht reist, sieht nur eine Seite davon.
~Aurelius Augustinus~

Freitag, 9. Juni 2017

Panama Surprises

Nachdem Jonas Bocas del Toro und damit Panama verlassen hatte, um von Costa Rica aus nach Amsterdam zu fliegen, blieb ich noch eine Weile auf der Isla Colon. Ich plante meine Weiterreise und recherchierte, welche Orte ich in Panama noch besuchen wollte, bevor ich von Panama-Stadt nach Lima in Peru fliegen würde. 

Die letzten Tage am Strand 


Ich entschied mich noch ein paar Tage in Bocas del Toro anzuhängen, weil mir klar geworden war, dass dies wahrscheinlich der letzte Ort mit herrlich warmen Temperaturen und schönem Meer zum Baden sein würde. Ich wollte noch ein paar weitere Orte in dem Inselparadies erkunden. Nachdem ich also meinen Plan für den Rest Panamas bis Panama-Stadt festgelegt und in ein Hostel umgezogen war, schmiedete ich Pläne für die nächsten Tage. Das Wetter war besser geworden und die Strände lockten. 

Als erstes wollte ich den Red Frog Beach auf der Insel Bastimentos besuchen. Dazu ging ich zu einem der vielen Steg entlang der Hauptstrasse von Bocas und erkundigte mich nach den Preisen für eine Bootsfahrt. Ständig legten kleine Boote zu den verschiedenen Inseln im Archipel ab und ich musste nicht lange warten bis auch ich einen Platz auf dem richtigen Boot bekam. Obwohl ich im Nachhinein feststellen musste, dass es doch nicht das korrekte Boot war bzw. sie hatten unterwegs die Route geändert und mein Ziel wurde als Umweg angesehen. So kam es, dass ich mitten in Meer das Boot wechseln musst. Easy! 

Red Frog Beach auf Bastimentos


Der Red Frog Beach ist einer der bekanntesten und schönsten Strände der Region und das lassen sich die Leute dort auch gut bezahlen. Nur um den Weg vom Anleger auf der einen Seite der Insel Bastimentos zur Strand auf der anderen Seite zu nutzen, zahlte ich eine 'Wegegebühr' von fünf Dollar. Schon ein happiger Preis, wenn es nur knapp zehn Minuten von einer Seite zur anderen geht. Aber ich wusste dies bereits im Vorfeld und hatte mich draufeingestellt. Es hiess, der Strand war es wert. Und ich wurde nicht enttäuscht.

Es hatte zwar einige Leute an dem Strand aber trotzdem noch genügend Platz im Schatten unter einer Palme. Es war herrlich. Ich las mein Buch, ging ab und zu eine Runde schwimmen und chillte auch etwas in der Sonne. Das war schliesslich die letzte Chance auf etwas Bräune. Als es dann Zeit wurde zu gehen, nahm ich den gleichen Weg wieder zurück zum Steg. Dort hatte ich Glück. Gerade als ich ankam, wollte ein kleines Boot mit drei Personen ablegen. Ich sprang auf und los ging die Fahrt. Es war eine ziemlich abenteuerliche Fahrt, eben weil das Boot so winzig war. Wir kamen aber heile an und ich machte mich auf den Weg ins Hostel. 





Seesterne und viel zu viele Touristen


Der andere Strand, den ich noch besuchen wollte, ist der Starfish Beach. Bekannt geworden wegen all der Seesterne, die dort im flachen Wasser leben, ist es heute einer der geschäftigsten Strände im Archipel. Es gibt Restaurants mit lauter Musik, Souvenirstände und jede Menge Touristen. Leider haben darunter auch die Seesterne gelitten. Eigentlich sollten sie nicht angefasst und schon gar nicht aus dem Wasser gehoben werden. Sie sterben sonst. Allerdings ist dies für viele Leute traurigerweise zweitrangig, wenn es um ein tolles Foto geht. 

Der Starfish Beach befindet sich auf der Hauptinsel und ist per Taxibus oder Boot zu erreichen. Ich nahm für fünf Dollar hin und zurück den Taxibus, der am Hauptplatz in Bocas abfuhr. Ich kam gerade angelaufen als sie abfahren wollten, so musste ich nicht lange warten. Der Bus setzte uns an der Bocas del Drago ab, danach musste ich noch ein Stück laufen, um den berühmten Strand zu erreichen. Es lohnt sich allemal diese Strecke zu Fuss zu machen, denn es geht an der Küste entlang und es bieten sich wunderschöne Aussichten auf das karibische Meer. Einsame Strände mit Kokospalmen und kristallklarem Wasser erwarteten mich. 





Ein Stück weiter kam dann endlich der Starfish Beach und ich war doch etwas enttäuscht. Die Touristen werden hier bootsweise angekarrt und bevölkern in Massen den schmalen Strand. Zwischendrin gibt es Restaurants und Souvenirstände und kaum Platz, um sein Handtuch zu platzieren. Nachdem ich mich fast bis zum anderen Ende des Strandes durch die Menschenmenge gekämpft hatte, entschied ich zurückzugehen. So kämpfte ich mich zurück und breitete mein Handtuch am Anfang aus. Hier hatte ich mehr oder weniger meine Ruhe. 

Zum Glück hatte es hier auch noch ein paar Seesterne auf dem Meeresboden. Das Wasser ist kristallklar und ziemlich warm, der Boden fällt steil ab und die Seesterne waren am Rand des Abhangs gut zu sehen. Grundsätzlich hat es mir ziemlich gut hier gefallen, wäre es nur nicht so laut und voller Menschen. Den Höhepunkt erreichte der Lärmpegel als ein Haufen Mädels kreischend auf einer Riesenbanane durchs Wasser gezogen wurden. Ihr kennt das ja, zum Ende der Fahrt dreht der Bootsführer so ab, dass alle im Wasser landen. Lange hielt es mich hier also nicht. Rechtzeitig zur Abfahrt des Taxibusses machte ich mich auf den Weg zurück nach Bocas del Drago. 

Sich verlieren im Dschungel von Panama


Nach all den tollen Tagen am Strand wurde es Zeit weiterzureisen. Ich hatte gute Dinge über das Lost & Found Hostel gelesen und mich dort für ein paar Tage eingebucht. Diese spezielle Unterkunft befindet sich auf einem Hügel mitten im Dschungel und ist nur über Wanderwege erreichbar. Das heisst, alles Gepäck muss hochgeschleppt werden, es gibt keinerlei Fahrzeug. Für mich klang das nach einem einzigartigen Abenteuer, so machte ich mich am Morgen in Bocas auf den Weg. 

Ich nahm zuerst ein Boot nach Almirante, zurück zu dem Ort von dem aus Jonas und ich vor rund einer Woche gekommen waren. Dort wartete schon ein Taxi, dass mich und eine andere Reisende für einen Dollar pro Person zur Busstation von Almirante brachte. Dort wurden wir auch gleich zum richtigen Bus gelotst. Der Bus fuhr nach David, ich sagte dem Kassierer Bescheid, dass er mich mittendrin am Weg zum Lost & Found absetzen sollte. Alle kennen dieses Hostel und wissen gleich, welcher Ort gemeint ist. 

Nach rund drei Stunden Fahrt mit einem Pipistopp wurde ich am Strassenrand rausgelassen. Dort befindet sich ein riesiges Schild, ein kleines Café und ein Obst- und Gemüsestand. Nebenan beginnt der Wanderweg zum Lost & Found Hostel. Ich schulterte mein Gepäck und machte mich an den Aufstieg. Rückblickend muss ich sagen, dass es besser ging als erwartet. Wenn nötig legte ich eine kurze Pause ein, aber ich war schneller oben als gedacht. Zwischendrin stehen am Wegesrand kleine Schilder, die sagen, dass es bald geschafft ist. Allerdings musste ich noch das ganze Gelände überqueren bis ich zur Rezeption gelangte. Ich wurde nett empfangen, herumgeführt und zu meinem Bett gebracht. Es gefiel mir gleich ganz gut. 




Ausflug zum einem Flusscanyon


Obwohl das Hostel so abgelegen lag, gab es in der Nähe einige interessante Orte oder Dinge, die wir unternehmen konnten. Es gab eine grosse Gruppe Deutscher im Lost & Found und ich kam sehr schnell am ersten Tag mit ihnen ins Gespräch. Da ich nur zwie ganze Tage hatte, die ich voll nutzen konnte, musste ich mich entscheiden, was ich tun wollte. So schloss ich mich den Deutschen für einen ganzen Tag an, als sie vorschlugen zum nahegelegenen Flusscanyon zu fahren. Wir mussten lediglich von der Strasse unten einen der kleinen Busse nehmen, die in die kleine Stadt fuhren und da die Strasse runterlaufen. 

Ich weiss jetzt gar nicht, ob es möglich ist im Deutschen Flusscanyon zu sagen. Es handelt sich bei diesem Ort um einen Fluss, der an einer Stelle zwischen hohen Felsen fliesst. Ich nehme an, er hat sich den Weg durch diese Felsen hindurch selbst gebahnt. An sich ist der Fluss ein beliebter Ort bei den Einheimischen, um am Wochenende etwas schwimmen zu gehen. Als wir nach rund 30 Minuten Fahrt und zehn Minuten Spaziergang endlich dort ankamen, war bereits eine Menge los. Familien mit Kindern und junge Erwachsene hatten es sich dort bereits gemütlich gemacht, die Snacks und Getränke ausgepackt und schwammen im Fluss. 

Wir suchten uns auch einen guten Platz im Schatten aus und stiegen dort gleich ins Wasser. Die Strömung war schon etwas stark, aber wir konnten doch gemütlich im Wasser chillen. Danach liessen wir uns erst einmal ein Stück treiben. Je weiter wir dabei trieben, desto höher wurden die steilen Felswände zu beiden Seiten. Bis zu der Stelle, wo sie plötzlich aufhörten und wir aus dem Wasser klettern konnten. Wir sprangen schliesslich noch nacheinander von den Felsen ins kühle Nass. Insgesamt ein cooler Ausflug. Auf der Rückfahrt mit dem Minibus regnete es an einer Stelle ziemlich heftig, was den Fahrer aber nicht von seiner rasanten Fahrweise abbringen konnte. Als das Regenwasser dann schon durch das Dach auf uns tropfte, hörte es glücklicherweise endlich auf zu regnen. 





Schnitzeljagd im Dschungel


Den anderen Tag verbrachte ich mit ein paar anderen Leuten auch dem Hostel, diesmal waren verschiedene Nationalitäten vertreten. Die Hosteleigentümer hatten sich eine Schnitzeljagd rund um die Unterkunft und am nahegelegenen Fluss ausgedacht und entsprechend Hinweise platziert. Wir wollten diese Wanderung mit Schatzjagd unbedingt absolvieren. Ausserdem hiess es, dass die Gegend sehr schön sein soll. Insbesondere bei gutem Wetter lohnt es sich, denn dann ist ein erfrischendes Bad im Fluss möglich. Wir hatten Glück, die Sonne schien. 

Wir erhielten ein Hinweiskarte, auf der der Wanderweg und der Fluss eingezeichnet waren. Vom Hostel aus folgten wir den Schilder und befanden uns schon bald mitten im Dschungel. Die erste Dose mit Hinweis liess nicht lange auf sich warten. Hier bot sich uns eine tolle Aussicht auf das Tal. Beim Hinweis handelte es sich um einen Rätseltext, der richtig interpretiert zur nächsten Dose führte. Wir bekamen gleich raus, wo wir hin mussten. Die nächste Station befand sich an einem sehr alten und grossen Baum, durch den wir hindurchgehen konnten. Die Dose war gut zu finden. Anschliessend wurde es aber schwieriger, die Rätsel anspruchsvoller. 

An einer Station fanden wir zwar die Dose, es handelte sich aber um die falsche und wir mussten weiterziehen. Gleich an der ersten Stelle am Fluss entschlossen wir uns, eine Runde schwimmen zu gehen. Es war eisigkalt, aber sehr erfrischend. Nachdem wir dann die letzte Station erfolgreich gefunden hatten, gönnten wir uns ein weiteres Bad im Fluss. Hier trafen wir noch auf andere Leute aus unserem Hostel und entschlossen uns den Weg zurück gemeinsam zu gehen. Im Hostel gab es dann noch ein letztes Rätsel zu lösen, danach konnten wir uns in der Bar die Belohnung abholen. Auch das war ein cooler Tag. 














Eine ewige Reise quer durch Panama


Am nächsten Tag wollte ich wieder weiterreisen. Mein Flug nach Lima rückte immer näher und ich musste meinen Weg nach Panama-Stadt noch machen. Ich hatte aber noch einen Stopp unterwegs geplant, weil ich gehört hatte, dass der Ort sehr schön sein sollte. Wie genau ich dahinkam, wusste ich nicht hundertprozentig. In Panama ist es eher unüblich, touristische Shuttles zu nehmen. Nachdem ich mich im Lost & Found an der Rezeption informiert hatte wie ich nach El Valle de Anton komme, ging es gleich am Morgen früh los. 

Ich wanderte wieder mit all meinem Gepäck runter an die Strasse und wartete dort auf einen Bus Richtung David. Es ging nicht lange bis der kleine Bus da war und ich gemeinsam mit zwei anderen Mädels einsteigen konnte. Die Fahrt nach David ging schnell und dort war grad klar, was zu tun war. Ich hatte vor einen grossen Bus der nach Panama-Stadt fuhr zu nehmen und an der Abzweigung nach El Valle auszusteigen und einen Minibus in das Dorf zu nehmen. Klang jetzt nicht so schwierig. Der nette Herr am Fahrkartenschalter wusste grad, was ich wollte und verkaufte mir ein Ticket für den nächsten Bus mit Ausstieg in San Carlos. 

Rund 20 Minuten später ging es auch schon los. Das Gepäck wurde etikettiert und verladen, ich hatte einen tollen Sitzplatz oben ganz vorne in dem Doppeldeckerreisebus. Naja, und dann dauerte die Fahrt einfach nur ewig. Wir machten eine halbe Stunde Pause gegen Mittag, damit alles essen konnten. Danach ging es weiter bis der Bus irgendwann anhielt und nicht mehr weiterfuhr. Plötzlich hiess es wir müssten umsteigen. Verstehe ich nicht, wie denn umsteigen mitten an der Strasse. Als ich aber draussen war, sah ich den anderen Reisebus. Mein Gepäck wurde verladen und ich stieg in den neuen Bus. Hier war die Klimaanlage deutlich höher gestellt und ich musste erst einmal meinen Pullover auspacken. 

Die Fahrt ging weiter. Schliesslich wurde San Carlos ausgerufen und ich meldete, dass ich aussteigen wollte. Ich erhielt mein Gepäck und stand kurz darauf alleine an einer grossen Strasse. Hm, wo sollte ich jetzt den richtigen Minibus finden? Ich ging die Strasse hoch, weil ich dort eine Haltestelle erspäht hatte, an der immer wieder kleine Busse hielten. Der dritte dieser Busse war dann auch endlich meiner. Ich wuchtete meinen Rucksack hinein und liess mich auf einen der Sitze fallen. Die Fahrt ging darauf hin hoch in die Berge, die Sonne ging grad unter und es bot sich uns ein toller Ausblick. 

Ich sage euch, es war so toll endlich in El Valle anzukommen. Das Städtchen liegt in einem alten von Regenwald überwachsenen Vulkankrater und hat zahlreiche Wasserfälle in nächster Umgebung. Am kleinen Markt im Zentrum wurde ich rausgelassen und musste nur ein paar hundert Meter zu meiner Unterkunft gehen. Auch diese Unterkunft war mir von anderen Reisenden empfohlen worden und ich wurde wieder einmal nicht enttäuscht. Das Zimmer hat zwar 27 Betten, aber das war weniger schlimm als es klang. Erstens waren bei weitem nicht alle Betten belegt und zweitens hat jedes Bett einen Vorhang, eine Leselampe und einen Miniventilator. Mir gefiel es echt gut. 

Manfred und seine Lebensgeschichte


In El Valle hatte ich nur einen ganzen Tag und wollte diesen gerne für eine Wanderung nutzen. Doch bevor es dazu kam, lernte ich Manfred kennen. Manfred ist aus Deutschland, fast 70 Jahre alt und lebt in El Valle. Ich wollte am Morgen gerade aufbrechen als er ins Hostel kam, um an der Bar einen Kaffee zu trinken. Wir kamen ins Gespräch und ehe ich mich versah, zeigt er mir eine Rohversion des Buchs, das sein Leben behandelt. Wir gingen das ganze Buch gemeinsam durch und er erzählte mir eine Anekdote nach der anderen. Er hatte bis anhin ein sehr bewegtes Leben und hat viele Geschichten zu erzählen. Zu viele, um sie im Kopf behalten und hier wiedergeben zu können. 

Es verging sicher eine Stunde, während der er mir haargenau seine Lebensgeschichte erzählte und ich wurde schon langsam müde vom Zuhören. Interessant fand ich noch, dass er in El Valle zwei erfolgreiche Hotels aufgebaut hatte und beide mittlerweile verkauft waren. Was er beim Verkauf rausgeschlagen hatte, diente ihm nun als Rente. Ich kann mir vorstellen, dass dies noch eine ganze Menge war. Manfred nahm mich zum Abschluss noch ein Stück mit und setzte mich am Beginn des Wanderwegs ab, den ich an dem Tag gehen wollte. 

Die schlafende Indianerin


Der Wanderweg, den ich ins Auge gefasst hatte, für über einen Teil des Kraterrands, der als schlafende Indianerin, la India Dormida, bezeichnet wird. In der Tat sieht der Berg vom Dorf aus gesehen wie eine liegende Person aus. Manfred setzte mich an einem Ende des Weges über den Kraterrand aus. Hier zahlt ich den Eintritt und ging den steilen Weg hinauf zum Gipfel, falls ich das so nennen kann. Ich kam vorbei an vielen kleinen Wasserfällen und am sogenannten bemalten Stein, la Piedra Pintada. Lange dauerte es nicht bis ich die Aussicht vom Kraterrand auf das Dorf geniessen konnte. Ich nahm einen anderen Weg hinunter als hinauf und ass zum Abschluss mein Mittagessen in einem der lokalen Restaurants, wo auch die Bauarbeiter sassen. Da konnte ich nichts falsch machen, es war gut und günstig. 

Der Legende nach geht der Name des Bergs übrigens auf eine indianischen Prinzessin zurück, die sich in einen weissen Krieger verliebte, der ihr Volk unterwerfen wollte. Ein Krieger ihres eigenen Stammes gestand ihr dann seine Liebe und stürzte sich nach ihrer Abweisung von einem Berggipfel in den Tod. Da sie ihr Volk nicht verleugnen wollte, entschied sie den Weissen nicht mehr wiederzusehen und wegzugehen. Sie durchwanderte weinend Berge und Täler bis sie nahe des karibischen Meeres starb. Ihr letzter Blick galt den Bergen, wo sie einst geboren wurde. Aus Rührung über diese traurige Liebesgeschichte nahmen die Berge die liegende Silhouette der Indianerin an. 







Ein kleines aber feines Schmetterlingshaus


Am Mittag des nächsten Tages wollte ich den Bus nach Panama-Stadt nehmen. Dafür musste ich lediglich am Strassenrand einen der Busse ranwinken, die El Valle - Panama oben auf der Windschutzscheibe stehen hatten. Bevor ich aber abfuhr, stattete ich dem örtlichen Schmetterlingshaus einen Besuch ab. Ich hatte nicht viel erwartet, wurde aber positiv überrascht. Erst gab es eine kleine Einführung über Schmetterling, insbesondere über den blauen Morphofalter. Dieser Schmetterling hat leuchtend blaue Flügeloberseiten, deren Farbe aber durch Reflektion des Lichts auf den Schuppen der Flügel entsteht. Es sind keine Pigmente. 

Auf die Einführung folgte der Besuch im Schmetterlingshaus. Zuerst schauten wir uns in einem getrennten Raum die Raupen und Puppen der verschiedenen Schmetterlinge an. Einige Schmetterlinge waren kurz davor aus ihren Puppen zu schlüpfen. Es war echt spannend zu sehen, wie die Puppen sich bewegten als der Schmetterling versuchte die starre Hülle auszubrechen und sich herauszuzwängen. Sobald ein Schmetterling dies geschafft hat, entfaltet er die Flügel und lässt sie trocknen. Danach ging es zu den Schmetterlingen in den Käfig. Es gab so viele verschiedene in bunten Farben, die durch die Gegend flogen. 




Nächster Stopp: Panama-Stadt


Ich stellte mich also an die Strasse gegenüber vom Hostel und wartete meinen Bus ab. Als es schliesslich gerade anfing zu regnen, tauchte er auf. Mein Gepäck wurde verladen und ich suchte mir einen Fensterplatz. Die Fahrt selbst dauerte ungefähr zwei Stunden und brachte mich an den Busbahnhof in Panama-Stadt. Von hier aus wollte ich einen anderen Bus nehmen, der mich zu meinem Hostel bringen sollte. Das war leichter gesagt als getan. Zuerst benötigte ich eine Fahrkarte, danach musste ich den richtigen Bus finden.

Die Karte war schnell gekauft. Es gibt in Panama-Stadt ein Bussystem, das über eine wiederaufladbare Karte läuft. Die Karten müssen beim Einsteigen in den Bus über ein Gerät gezogen werden, woraufhin ein pauschaler Betrag abgebucht wird. Die Karte sicher in der Tasche verstaut und mit den Rucksäcken schwer beladen, machte ich mich auf den Weg zu den Bushaltestellen. Dort musste ich aber feststellen, dass es eine Menge verschiedener Busse gab. Ich fragte mich durch und landete schliesslich in einer langen Schlange für den nächsten Bus der in meine Richtung fuhr. 

Mittels meiner Karte auf dem Handy und dem GPS verfolgte ich die Fahrt des Busses mit und wusste so, wo ich aussteigen musste. Von der Haltestelle war es dann nicht mehr weit zu meinem Hostel. Ich hatte mich für ein Hostel im Bankenviertel der Stadt entschieden. Dieses gilt als besonders sicher und hat eine gute Anbindung an der öffentlichen Verkehr. Zudem hat es ein paar Shoppingcenter in der Nähe. Ich musste nämlich noch ein paar Dinge einkaufen, bevor ich nach Südamerika flog. Dazu gehörte Kontaktlinsenmittel und eine lange Hose. Ich stellte mich auf kühlere Temperaturen in Peru ein. 



Der Panamakanal an den Miraflores-Schleusen


Viel Zeit hatte ich neben den ganzen Besorgungen in Panama-Stadt allerdings nicht. Als ein paar Mädels aus meinem Hostel vorschlugen, den Panamakanal zu besuchen war ich grad mit von der Partie. Lustigerweise hatte ich sie alle schon vorher kennengelernt. Charlene war im Poco a Poco Hostel in Nicaragua gewesen und später hatte ich sie mit Sarah zusammen im Lost & Found getroffen. Wir waren eine super Truppe und hatten echt Spass. Wir bestellten ein Uber und fuhren raus aus der Stadt zu den Miraflores-Schleusen. Hier haben sie ein riesiges Besucherzentrum aufgebaut, welches über eine Aussichtsplattform und ein kleines Museum mit Kino verfügt. 

Eigentlich wollten wir nur sehen, wie die Schiffe die Schleusen passierten und hatten gehört, dass es möglich war nur ins Restaurant zu gehen und bei einem Getränk das Schauspiel zu beobachten. An der Kasse erhielt man dafür ein Gratis-Ticket. Als wir allerdings an der Kasse standen, teilte die Dame am Schalter uns mit, dass das Restaurant geschlossen wäre. So mussten wir in den sauren Apfel beissen und den teuren Eintrittspreis bezahlen. Schlussendlich war es aber ok. Das Museum ist recht interessant und auch der Film ist nett. Obwohl es darin eher darum geht, Panama zu loben als die Geschichte und Funktion des Kanals zu erklären. 

Der Höhepunkt waren natürlich die Schleusen selbst. Die Schiffe bzw. Tanker fahren auf einer Seite rein und werden an kleinen Zügen, die auf Schienen fahren, festgemacht. Die Tore werden geschlossen und der Wasserpegel steigt. Sobald der Wasserstand dem der nächsten Stufe gleicht, öffnen sich die Tore und das Schiffe passiert die Schleuse während es immer noch an den kleinen Zügen befestigt ist. Die fahren mit dem Schiff mit. Sobald das Schiff die Schleuse verlässt, zieht es ein Schlepper, oder mehrere je nach Grösse, weiter durch den Kanal bis es selbst fahren kann. 

Ich weiss, ob die Erklärung ausreichend ist, um sich das vorzustellen. Mich hat es ziemlich beeindruckt zu sehen, welch riesige Schiffe Güter vom einen Ende der Welt ans andere transportieren. Die Schiffe werden immer grösser, was bedeutet das der Konsum steigt. Eigentlich unvorstellbar, dass diese unheimlich grossen Massen an Waren jeden Tag den Panamakanal passieren und über die Weltmeere geschifft werden. Was ich auch nicht wusste, ist dass sie den Panamakanal komplett gebaut haben. Die Verbindung zwischen Pazifik und Atlantik wurde hier von Menschenhand unter den knallharten Bedingungen des Dschungel geschaffen. Und tatsächlich wurde der Panamakanal bis Ende 1999 von den USA verwaltet. 





Es hiess Abschied nehmen von Zentralamerika


Es war also durchaus ein spannender Ausflug und ein cooler letzter Tag in Zentralamerika. Insgesamt hat mich Panama positiv überrascht. Ich bin ohne grosse Erwartungen hingegangen und hätte nicht erwartet so eine schöne Zeit dort zu haben. Es wurde Zeit für etwas Neues. Meine Vorbereitungen für die Weiterreise nach Peru waren abgeschlossen und mein Rucksack am Abend gepackt. Ich musste früh am Morgen los, um rechtzeitig zum Flughafen zu gelangen. Ausnahmsweise nahm ich ein Taxi, da ich nicht genau wusste, wie ich mit dem Bus hinkommen würde und die Aussagen im Internet und an der Rezeption waren eher widersprüchlich. Lieber auf Nummer sicher gehen. 

Fast vier Monate in Zentralamerika waren damit vorbei. Ich hatte wieder einmal sehr viel auf diesem Abschnitt der Reise erlebt und gesehen. Vieles war wunderschön und unvergesslich, doch hatte es auch Momente, die ich eher weniger genoss. So zum Beispiel die zwei Stunden auf der Polizeistation in León als mein Handy geklaut worden war. Ich liess mich davon aber nicht entmutigen, mein Abenteuer fortzusetzen und bin heute natürlich froh, es soweit geschafft zu haben. Südamerika und damit der Endspurt warteten auf mich und ich würde die letzten zehn Wochen meiner Weltreise sehr geniessen.

Mittwoch, 31. Mai 2017

Kathi & Jonas on the Road

Nach dem Abschied vom Team im Poco a Poco Hostel starteten Jonas und ich unsere Reise mit dem Hilux. Zum ersten Mal seit langem reiste ich ziemlich komfortabel. Wir waren nicht im vollgestopften Chickenbus oder stickigen Minivan unterwegs, sondern fuhren einen Pickup mit genügend Platz und Klimaanlage. Astreiner Luxus. Einen richtigen Plan für die Reise hatten wir allerdings nicht, wir kannten nur unser erstes gemeinsames Ziel. Es sollte auf die Isla de Ometepe gehen, für mich zum zweiten Mal. Das störte mich jedoch gar nicht, denn ich hatte noch lange nicht alles dort gesehen.
 

Mit dem Riesenauto auf die Fähre


Um auf die Insel zu gelangen mussten wir zuerst nach San Jorge fahren und dort wieder die Fähre nehmen. Dabei handelte es sich natürlich um die Gleiche, mit der ich bei meinem Besuch übergesetzt hatte. Wir kauften unsere Tickets, zusätzlich auch eines für das Auto. Danach sollten wir auf die Fähre fahren, rückwärts und millimetergenau zwischen die anderen Fahrzeuge. Ein Mitarbeiter versuchte uns einzuweisen, aber er und Jonas schienen sich nicht ganz zu verstehen, so dass das Auto nachher einfach mittendrin stand. Dies war aber kein Problem, da die Fähre nicht voll wurde. Rund anderthalb Stunden dauerte es wieder bis wir die Insel erreichten.





Am Hafen in Moyogalpa angekommen machten wir uns auf den Weg zu unserer Unterkunft. Dieses Mal hatte ich etwas auf der anderen Seite der Insel in der Nähe vom Vulkan Maderas gebucht. Wir fuhren quer über die Insel auf Seiten des Concepción und genossen die Aussicht auf diesen. Die Insel gefiel mir beim zweiten Besuch etwas besser als zuvor. Wir hatten dank Mietwagen mehr Zeit und Freiheit alle Ecken zu entdecken. Zwischendrin nahmen wir den einen oder anderen Einheimischen per Anhalter mit. Beim Pickup ist dies einfach. Sie hüpfen hinten auf die Ladefläche und klopfen auf das Dach, sobald sie rausgelassen werden wollen. Wir haben gern gesagt, dass wir so Karmapunkte sammeln. Unsere Unterkunft war mega schön direkt am See gelegen und das Fenster unseres Zimmers bot direkte Sicht auf eben diesen. Abends konnten wir vor der Tür sitzen und den Sonnenuntergang anschauen. 






Das erste Abenteuer wartet bereits


Für den nächsten Tag schmiedeten wir gleich Pläne, wir wollten die Insel mit dem Auto erkunden. Der erste Stopp sollte der Wasserfall San Ramon sein. Wir wussten, dass es wahrscheinlich nicht viel Wasser geben wird, es war schliesslich Trockenzeit. Trotzdem machten wir uns auf den Weg, zahlten den Eintritt am Eingang zur Auffahrt und fuhren hoch. Der nette Herr an der Kasse meinte, mit dem Auto könnten wir gut zur Hälfte hochfahren und müssten danach nicht mehr so lange laufen. 

Irgendwie hat er uns aber den Zustand der Strasse verschwiegen. Die Auffahrt war dann doch schon etwas grenzwertig, auch mit dem Hilux. Zwischendrin ist Jonas mal ausgestiegen und hat den einen oder anderen Stein zur Seite geräumt. Als wir dann die Wanderer überholten, die mühsam den kompletten Aufstieg zu Fuss machten, fühlten wir uns schon etwas komisch. Kurz darauf sahen wir aber den Endpunkt und parkten das Auto. Grad hier entdeckten wir ein paar Affen, die sich in den Baumkronen von Ast zu Ast schwangen. Ziemlich cool und auch etwas unerwartet, immerhin waren wir gerade erst angekommen.





Anschliessend wanderten auch wir gut eine halbe Stunde bis wir den Wasserfall erreichten. Es hatte wirklich nicht viel Wasser, dafür war der Wasserfall ziemlich hoch. Das hat uns dann doch beeindruckt. Und da wir bei unserem Aufstieg schon etwas ins Schwitzen geraten waren, liessen wir es uns nicht nehmen, uns im kühlen Nass etwas zu erfrischen. Wir stapften ins Wasser und auf den Wasserstrahl zu. Es fühlte sich an wie eine riesige kalte Dusche, war aber super. Danach machten wir uns wieder an den Abstieg. Wir hatten einer älteren Dame versprochen, dass wir sie mit dem Auto ein Stück mitnehmen würden. Sie quatschte uns auf der Fahrt dann noch ziemlich die Ohren voll. War aber herzig.



Am Ojo de Agua stürzen wir uns wieder ins Wasser


Nachdem wir die Dame abgesetzt hatten, machten wir uns auf den Weg zum Ojo de Agua. Dies ist ein natürliches Schwimmbecken, das von einer unterirdischen Quelle gespeist wird. Es ist rund zwei Meter tief und 40 Meter lang. Es gibt hier ein nettes Restaurant, Liegestühle zum Relaxen und ein paar Souvenirstände. Wir schwammen eine Runde und machten ein paar lustige Unterwasserfotos. Danach schwangen wir uns an einem Seil ins Wasser, um zum Schluss einfach nur noch im Liegestuhl zu hängen und Pläne zu schmieden. 






Am nächsten Tag wollten wir die Insel bereits wieder verlassen. Es gefiel uns zwar sehr gut, aber wir hatten mehrheitlich gesehen, was Ometepe zu bieten hat. Wir entschlossen uns, nach Maderas bei San Juan del Sur zu gehen. Auch dort war ich bereits, hatte aber in San Juan del Sur selbst übernachtet. Wir wollten nicht direkt in der Stadt übernachten, sondern lieber etwas näher am Strand sein. Deshalb haben wir direkt in Maderas eine Unterkunft gebucht. Da wir ziemlich spät aufbrachen, blieb uns nichts anderes übrig als die letzte Fähre zu nehmen. Es war zwar nicht weit von San Jorge nach Maderas, allerdings war es schon dunkel als wir im Hotel ankamen.
 

Angenehme Strandtage mit etwas Surfen zwischendrin


Die Unterkunft in Maderas liegt ziemlich nahe an einem der bekanntesten Surfstrände der Gegend. Hier gibt es vor allem viele Anfänger im Wasser. Jonas und ich holten uns jeder ein Surfbrett und stürzten uns in die Wellen. Zwischendrin genossen wir den Strand, gingen spazieren und gönnten uns ein Bierchen. Wobei ich hier anmerken muss, dass wir in einer der Bars an diesem Strand wohl das teuerste Bier in ganz Nicaragua getrunken haben. Aber so läuft das halt, wenn man ohne zu Fragen oder einen Blick in die Karte zu werfen, etwas bestellt. Ich weiss noch genau, wie sehr ich mich geärgert habe.
 

Meine EC-Karte hat es nach León geschafft


Während wir also unsere Zeit am Strand genossen, kam meine EC-Karte endlich im Poco a Poco Hostel an. Wout gab mir per Whatapp Bescheid und wir überlegten, was wir machen sollten. Eigentlich wollten wir weiter nach Costa Rica und waren der Grenze schon so nah. Trotzdem entschlossen wir uns nach León zu fahren und die Karte zu holen. Es kostete uns schlussendlich einen ganzen Tag, aber ich bin sehr froh, dass wir es gemacht haben. Und natürlich auch dankbar, dass Jonas sich darauf eingelassen hat. 

Nach einem halben Tag Autofahrt von Maderas nach León, kamen wir endlich in unserem Hotel in León an. Im Hostel wollten wir nicht so gerne übernachten, ausserdem waren sie wie so oft schon Tage im Voraus ausgebucht. Es gab da aber ein Hotel in León, auf das Jonas schon länger ein Auge geworfen hatte. Ich muss zugeben, dass es wahrscheinlich die schönste Unterkunft auf meiner Reise sein wird. Die Eigentümer sind aus Frankreich und haben uns bei Ankunft persönlich begrüsst. Wir unterhielten uns nett und kurz drauf verkündeten sie uns, dass sie uns gratis upgraden würden. WHAT?! Wir bekamen also ein besseres Zimmer als wir eigentlich gebucht hatten. Gratis. Super Sache!

Am frühen Abend machten wir uns auf den Weg zum Hostel, um meine Karte abzuholen. Ich konnte es nicht glauben, als ich sie endlich in den Händen hielt. Mehr als einen Monat hatte ich gewartet und musste ich ohne EC-Karte zurechtkommen. Zum Glück hat es mit dem Versand schlussendlich gut funktioniert. Wir gingen nach einem kurzen Plausch mit Sophie noch zu Abendessen und danach zurück ins Hotel. Wir wollten am nächsten Morgen früh los, um es früh genug nach Monteverde in Costa Rica zu schaffen. Es warteten rund acht Stunden Fahrt, ein Grenzübergang und ein Mietwagenwechsel auf uns.
 

Auf dem Weg nach Costa Rica


Die Autofahrt bis zur Grenze verlief ziemlich unspektakulär. Wir fuhren die ganze Strecke, die wir am Tag zuvor gemacht hatten, wieder zurück und danach noch das Stück weiter bis zur Grenze. Dort mussten wir erst einmal den Hilux abgeben. Ich glaube, das war ein sehr schwieriger Moment für Jonas. Aber es lief alles sehr schnell und ehe wir uns versahen, wurden wir am Grenzübergang abgesetzt. Wir verliessen Nicaragua, natürlich nachdem wir die Ausreisegebühr gezahlt und den Stempel bekommen hatten, und liefen zu Fuss zur Autovermietung. Irgendwie komisch, dass sich diese zwischen den beiden Ländern, sozusagen im Niemandsland befindet, aber zu Costa Rica gehört. 




Wir haben sicherlich mehr als eine Stunde dort verbracht bis wir endlich wieder einen fahrbaren Untersatz hatten. Erst gab es Diskussionen wegen dem Preis für den neuen Wagen. In Nicaragua hatten sie Jonas zugesagt, dass er die ursprüngliche Rate behalten könnte, hier sagten sie das ginge nicht. Als Jonas dann einen Teil der Kosten begleichen wollte, nahm das Kartenlesegerät seine Karte nicht an bzw. es konnten nur Teilbeträge belastet werden. Da die Autovermietung einen grossen Betrag auf der Karte blockiert hatte, war zudem das Limit fast erschöpft. Den blockierten Betrag sofort freizugeben, funktionierte aber nicht so schnell und sie konnten diesen Betrag auch nicht für eine Zahlung nutzen. Ein Chaos. Schlussendlich war alles aber geritzt und wir sassen im Wagen Richtung Costa Rica.
 

Was für ein schlauer Schachzug vom mir


Am Grenzübergang mussten wir erst einmal ziemlich Schlange stehen. Es waren kurz vor uns zwei grosse Reisebusse angerollt und alle Leute standen an, um einen Einreisestempel zu erhalten. Costa Rica ist ziemlich streng bei der Einreise, jeder muss ein Ausreiseticket vorzeigen. Genau genommen hatte ich kein solches Ticket. Ich hatte lediglich eines ab Panama-Stadt und wusste nicht, ob das zählen würde. Allerdings hatte Jonas gerade ein paar Tage zuvor seinen Flug von San Jose nach Amsterdam gebucht. Er hatte ein Ticket. 

Wir gingen zusammen an den Schalter, ich zuerst, und als der Beamte mich nach dem Ausreiseticket fragte, sagte ich zu Jonas, er hätte doch das Ticket. Jonas überlegt nicht lange und zog sein Handy hervor, um die Bestätigungsmail zu zeigen. Die Mail wurde zwar nicht vollständig geladen, aber in der Betreffzeile war eindeutig SJO-AMS zu lesen. Für wen der Flug gebucht war, schien nicht zu interessieren. Der Beamte stempelte beide Pässe und wir gingen raus. Wir waren soeben in Costa Rica eingereist. Im Auto freuten wir uns noch riesig darüber, wie gut es doch geklappt hatte. Jonas hatte gar nicht mitbekommen, dass der Beamte mich nach dem Ausreiseticket gefragt hat, deshalb konnte es auch so unauffällig reagieren. Tolle Teamarbeit.

Die Fahrt nach Santa Elena, dem Ort, wo sich unsere Unterkunft in Monteverde befand, dauerte noch gut drei bis vier Stunden. Die Hälfte der Strecke legten wir sicher in Dunkelheit zurück und machten nur eine kurze Pause, um bei Subway schnell etwas zu essen. Ab einem bestimmten Punkt war die asphaltierte Strasse zu Ende und wir fuhren eine ziemliche Schotterpiste entlang bis zu dem kleinen Dorf Santa Elena. Als wir am Hostel ankamen, wartete die nette Dame von der Rezeption bereits auf uns. Wir waren die letzten Gäste und sie wollte Feierabend machen. Sie checkte uns ein und zeigte uns das Zimmer. Wir waren sehr froh, dass wir endlich dort waren und endlich schlafen konnten.
 

Der Nationalpark Monteverde


Unseren ersten Tag wollten wir im Nationalpark Monteverde verbringen. Die Nebelwaldregion Monteverde liegt auf einer Höhe zwischen 1'400 und 1'700 Metern und ist rund 10'500 Hektar gross. Dieses biologische Reservat bietet eine enorme Artenvielfalt und einzigartige Vegetation. Auf mehreren gut ausgebauten Wanderwegen kann man den Park auf eigene Faust entdecken. Nachdem man den doch saftigen Eintrittspreis von 20 Dollar pro Person gezahlt hat, erhält man eine einfache Wanderkarte. Wir schauten uns die Karte kurz an und überlegten uns einen kleinen Rundgang. Rund drei Stunden verbrachten wir dort. Leider bekamen wir nicht ganz so viele Tiere zu sehen, wir hörten aber jede Menge Vögel und besuchten viele tolle Aussichtspunkte sowie eine Hängebrücke.








Eigentlich wollten wir nur zwei Nächte in Santa Elena verbringen und danach weiter an die Küste und rüber nach Panama. Allerdings haben wir uns dann entschieden noch eine Nacht anzuhängen und das Extremo Ziplining zu machen. Es klang sehr abenteuerlich und wir dachten uns, wir müssten das mitnehmen. Vor allem, weil das Preis-Leistungsverhältnis zu stimmen schien. Wir buchten die Tour für den nächsten Tag und verbrachten den Rest des Abends damit, unsere weitere Reise zu planen. Ostern rückte nämlich näher und das ist bekanntermassen Hochsaison. Es dauerte eine ganze Weile bis unser Plan stand und wir auch die passenden Unterkünfte gebucht hatten.
 

Wir machen dann mal den Superman - Ziplining Extrem!


Wir wussten nicht ganz, was uns erwartete als wir am nächsten Morgen für das Ziplining abgeholt wurden. Im Internet hatte ich viele gute Bewertungen gelesen und wir freuten uns schon sehr darauf. Ein Minibus brachte uns zum Besucherzentrum, wo wir unsere Ausrüstung und die kurze Einweisung erhielten. Ich hatte dies 2015 schon mal gemacht und wusste mehr oder weniger, was kommen würde. Es wurde aber natürlich besser als das. 

Insgesamt gab es 14 Seile, zwei davon über einen Kilometer lang. Dazu kam Abseilen, eine Tanzan-Swing und ein Superman. Einige der Seile konnte man auch zu zweit abfahren.
Es war unglaublich cool. Insbesondere die langen Seile, die quer über das grosse Tal gespannt waren, sind sehr aufregend gewesen. In hohem Tempo fliegt man über die grünen Baumwipfel und kann dabei die tolle Aussicht geniessen. Die Tarzan-Swing war etwas ganz besonderes. Man springt von einer Plattform, hat kurz einen freien Fall bis das Seil greift und man über den Abhang zwischen den Bäumen schwingt. Wirklich cool. Nach gut drei Stunden war das Abenteuer vorbei und wir kehrten nach Santa Elena zurück.
 

Achtung, der Skorpion sticht zu


Das war wohl ein Erlebnis, auf das Jonas hätte verzichten können. Und ich auch. Wir machten uns am letzten Tag bereit, um an die Küste nach Puerto Viejo zu fahren. Ich war im Bad und Jonas holte etwas aus seinem Kulturbeutel im Zimmer. Plötzlich schrie er nur noch und kam ins Bad gerannt, um seinen Finger unter dem Wasser zu kühlen. Irgendetwas hatte ihn im Kulturbeutel in den Finger gestochen, sicher ein Skorpion, behauptete er. Ich konnte das nicht so ganz glauben, wie sollte ein Skorpion in seinen Kulturbeutel gekommen sein. 

Wir entschieden uns dazu, den Beutel genauer unter die Lupe zu nehmen, trauten uns aber beide nicht so recht, reinzufassen. Wir kippten somit den gesamten Inhalt auf dem Boden aus und suchten nach etwas, was Jonas gestochen haben könnte. Als Erstes fielen mir dabei die Zahnstocher auf, die überall verteilt lagen. Als ich meinte, es wäre eventuell ein Zahnstocher gewesen, wurde Jonas fast wütend. Es hatte sich sicher nicht einfach nur wie ein Zahnstocher angefühlt. Was anderes, das in Frage kam, war auf dem Boden aber nicht zu sehen. 

Wir schauten also nochmals in den Kulturbeutel. Jonas hob eine Ecke an, um reinblicken zu können. Und was sass dort in der gegenüberliegenden Ecke? Genau, ein grauschwarzer Skorpion von rund fünf Zentimeter Länge. Wir konnten uns nur mit offenen Mündern anstarren. Was sollten wir jetzt tun? War der Skorpion vielleicht hochgiftig? Wir versuchten nicht in Panik zu verfallen und konsultierten erst einmal Google. Dort hiess es auf mehreren Seiten, dass dies schon einmal passieren könnte. Weder in Costa Rica noch in Nicaragua gab es tödliche Skorpione. 

Puh, erste Entwarnung. Zur Sicherheit ging Jonas noch nach unten und fragte an der Rezeption. Dort wurde ihm bestätigt, dass alles gut werden würde. Keine Gefahr. Als er dann mit einem Becher Kaffee ins Zimmer zurückkam, schien er sich wieder beruhigt zu haben. Er machte noch ein paar Fotos vom Skorpion, der sich die ganze Zeit über nicht bewegte, und zertrat ihn dann im Kulturbeutel. Diesen wollte er sowie nicht mehr haben. Der blieb auch samt totem Skorpion im Hostel in Santa Elena. Jonas Finger war noch eine Weile taub, wurde aber mit jedem Kilometer, den wir anschliessend Richtung Karibikküste zurücklegten, immer besser.
 

Die Karibik lässt grüssen


Je näher wir unserem Ziel Puerto Viejo kamen, desto karibischer wurde der Flair. Man sah es sogar den Leuten an, dass dies ein anderes Gebiet war. Wir passierten Bananenplantagen und kleine Dörfer, wo dunkelhäutige Männer mit Rastafrisuren die Strasse entlang hingen. Gegen späten Nachmittag kamen wir endlich in unserer Unterkunft an. Wir hatten ein kleines Apartment mit eigener Küche für einen guten Preis gefunden. Vieles war schon ausgebucht gewesen als wir uns daran gemacht hatten, einen Plan zu schmieden. Den ersten Abend nutzten wir dazu noch etwas durch das Dorf zu spazieren und ein paar Lebensmittel einzukaufen. Da wir eine eigene Küche hatten, konnten wir unsere Mahlzeiten selbst kochen.
 

Der wunderschöne Cahuita Nationalpark


Der zweitälteste Nationalpark Costa Ricas bietet eine tolle Mischung aus karibischem Sandstrand und tropischem Regenwald. Wir fuhren mit dem Mietwagen hin, zahlten eine geringe Gebühr für den Parkplatz und hatten sonst keine Kosten, denn es wird kein Eintritt verlangt. Wir spazierten am weissen Strand entlang, der voller Einheimischer und Touristen war. Unterwegs entdeckten wir tatsächlich ein Faultier im Baum, ziemlich cool. Wir waren durch ein paar andere Touristen darauf aufmerksam geworden und konnten gerade noch sehen, wie es immer höher kletterte. Es gibt viele Tiere im Cahuita Nationalpark. Dazu gehören eben Faultiere, aber auch Schlangen, Affen und Leguane. 

Irgendwann fanden wir ein gemütliches und abgeschiedenes Plätzchen, wo wir eine Weile unser Lager aufschlugen. Wir gingen eine Runde schwimmen, denn das Wasser dort ist angenehm warm und das Wetter war perfekt. Bald kam jedoch ein Parkmitarbeiter, der uns darauf hinwies, dass der Park bald schliessen würde und wir langsam zum Ausgang zurückkehren sollten. Da wir den gesamten Weg bislang nur am Strand entlang gegangen waren, entschlossen wir uns dazu diesmal den Wanderweg durch den Busch zu nehmen. Der ganze Nationalpark verfügt über viele Wanderwege, auf denen man das ganze Gelände durchqueren kann. So entdeckten wir auf dem Rückweg noch ein paar mehr Tiere.








Unseren letzten Tag in Puerto Viejo und damit in Costa Rica verbrachten wir an einem weiteren Strand. Nachdem wir den Mietwagen abgegeben hatten, spazierten wir los auf der Suche nach Sonne und Meer. An der Playa Cocles wurden wir dann fündig, zusammen mit hunderten von anderen Touristen und Einheimischen. Der Strand war pumpevoll und es hatte kaum Platz im Schatten. Wir suchten uns eine Palme, die noch nicht belegt war und machten es uns dort gemütlich. Viele der Einheimischen waren mit ihren Familien aus den Städten ans Meer gekommen, um die Semana Santa - für uns Ostern - dort zu verbringen. Die Leute assen und tranken, sonnten sich und spielten in den Wellen.

Wir taten es ihnen gleich. Die Atmosphäre war entspannt, hier und da schlief ein Opi im Schatten und die Kinder waren kaum aus dem Wasser zu bekommen. Als es später wurde, machten wir uns auf den Weg zurück ins Dorf. Es waren ganze Menschenmassen unterwegs. Wir entschlossen uns ganz in der Nähe zu Abend zu essen. Was schlussendlich die beste Entscheidung war, denn als wir gerade mitten am Essen waren, fing es plötzlich an wie blöd zu schütten. Es regnete ohne Ende und wir waren schon darauf eingestellt, nass ins Hotel zurückzukehren. In einer kurzen Regenpause schafften wir es dann aber so gerade noch trocken zurück.




Und hier kommt Panama


Für den frühen Morgen hatten wir einen Shuttle von Puerto Viejo nach Bocas del Toro gebucht. Pünktlich wurden wir von einem Minivan abgeholt, der uns innerhalb kürzester Zeit an die Grenze zu Panama brachte. Hier mussten wir erst einmal eine sogenannte Ausreisegebühr zahlen. Sie verlangten acht Dollar, quittiert wurden aber nur sieben. So läuft das eben, der eine Dollar ist einfach verschwunden. 

Sobald die Gebühr bezahlt war, stellten wir uns an, um den Ausreisestempel zu erhalten. Das war das reinste Chaos. Zwei Schalter und sie wickelten Ein- und Ausreise gleichzeitig ab, es gab nur eine Schlange. Da muss man genau darauf achten, welchen Stempel man erhält, ansonsten kann es zu Problemen bei der Einreise nach Panama führen. Wir hatten Glück, unser Shuttle war eines der ersten gewesen, so war die Schlange nicht allzu lang. Wir mussten aber trotzdem eine ganze Weile warten bis wir endlich die Grenze überqueren konnten, da einige in unserer Gruppe etwas langsamer waren und nicht ganz kapierten, was sie zu tun hatten. 

Die Grenze überquerten wir schliesslich geschieht zu Fuss. Man nimmt all sein Gepäck und geht über die Brücke über den Fluss nach Panama. Auf der anderen Seite angekommen, muss man sich erst einmal seinen Weg zum Einreisebüro bahnen. Hier kann es schnell passieren, dass man ohne einen Stempel einfach von dannen zieht. Auch an diesem Schalter mussten wir eine Weile anstehen. Viele der Leute hatten den Arm voller Unterlagen, wir hielten nur unsere Pässe in den Händen. Panama verlangt wie Costa Rica einen Ausreisenachweis. Diesmal wurden wir aber nicht danach gefragt. Wir zeigten unsere Pässe, gaben unsere Fingerabdrücke ab (Überraschung!) und erhielten unsere Stempel. Anschliessend ging es ab in den Van und weiter Richtung Bocas del Toro.






Inselparadies vor der Küste von Panama


Das Archipel Bocas del Toro liegt im Nordwesten von Panama und besteht aus sechs grösseren und zahlreichen kleinen Inseln. Unser Shuttle setzte uns in Almirante auf dem Festland aus. Dort am Hafen nahmen wir eines der knatternden Boots zur Hauptinsel. Hier hatten wir unsere Unterkunft gebucht. Es regnete ziemlich als der Bootskapitän in rasantem Tempo auf das offene Meer hinausfuhr. Rund eine halbe Stunde später waren wir auf der Isla Colon in Bocas angekommen und machten uns zu Fuss auf den Weg zu unserer Unterkunft. Zum Glück hatte es aufgehört zu regnen. 

Die Unterkunft, die wir gebucht hatten, gehörte eher zu den teureren vor Ort. Leider war bei unserer Buchung aber nicht mehr viel verfügbar gewesen. Die bereits erwähnte Semana Santa sorgte dafür, dass ziemlich viel los war auf den Inseln. Allerdings erwies sich unsere Unterkunft als totaler Glücksgriff. Wir hatten ein Zimmer mit Bad und einer grossen Terrasse für uns und da niemand die anderen beiden Zimmer bewohnte, nutzten wir auch die Gemeinschaftsküche alleine. Unsere Gastgeberin Felicitas hiess uns herzlich willkommen. Sie hatte sogar Bier für uns besorgt, da es den Rest des Tages bis am Mittag des folgenden Tages nirgendwo Alkohol zu kaufen geben würde. Dies war ein Entschluss des Bürgermeisters wegen Karfreitag gewesen. Wir hatten also ein Willkommens-Sixpack im Kühlschrank. Der Aufenthalt fing schon mal grandios an.
 

Es gibt so viel zu entdecken


Das Wetter war zwar nicht so schön, aber nur im Haus rumsitzen ging natürlich nicht. Unsere Unterkunft hatte Fahrräder, die wir nutzen konnten. So entschieden wir uns quer über die Isla Colon ans nördliche Ende zu fahren und die Bocas del Drago zu besuchen. Dies war eine ganz schön lange Strecke und es ging immer wieder bergauf und bergab. Unterwegs machten wir zwei kurze Stopps. Der erste Stopp war am sogenannten Plastic Bottle Village. Hier hat der Kanadier Robert ein einzigartiges Projekt ins Leben gerufen. Aus Plastikflaschen werden hier Häuser gebaut. Die Wände bestehen dabei aus Drahtgerüsten, die mit Plastikflaschen aufgefüllt werden. Anschliessend wird das komplette Drahtgerüst mit Beton eingegossen. Die Isolation ist hierbei besser als bei herkömmlicher Bauweise, ausserdem werden Kosten gespart.





Der nächste Stopp war an einer Höhle, die eher wie eine kleine Kapelle aussah. Bewohnt wird diese Höhle von einer Menge Fledermäuse. Es fliesst ein kleiner Bach aus der Höhle hinaus und wir folgten ihm ein Stück hinein. Wir sind allerdings beide nicht die Mutigsten und sobald die erste Fledermaus an unseren Köpfen vorbeiflog und wir die riesigen Spinnen überall auf den Steinen entdecken, hielt uns nichts länger in dieser Höhle. Wahrscheinlich war alles halb so wild, aber wir hatten uns schon so hochgeschaukelt, dass uns nichts mehr in die Höhle zurückbrachte. Wir gruselten uns einfach nur noch, konnten später aber drüber lachen. 





Ziemlich müde und verschwitzt kamen wir an der Bocas del Drago an, ein einfacher Strand, an dem nicht viel los war, da das Wetter eher mässig war. Es war bereits vier Uhr am Nachmittag und wir mussten entscheiden, ob wir die ganze Strecke wieder mit dem Fahrrad zurückfahren wollten. Wollten wir nicht, echt nicht. Glücklicherweise fand sich ziemlich schnell ein Taxifahrer, der uns und unsere Fahrräder zurück in den Ort transportieren würde. Während wir auf die Abfahrt warteten, beobachteten wir noch ein Riesenschiff mit dem Logo von Chiquita, das sich wohl gerade auf den Weg nach Europa machte. Die anschliessende Fahrt nach Bocas ging schnell vorüber, unsere Fahrräder waren hinten auf der Ladefläche des Taxis festgeschnallt und wir plauderten mit dem Fahrer. Ein toller Tag, wenn auch anstrengend und mit mässigem Wetter ging zu Ende.
 

Die berühmte Isla Zapatilla


Wir hatten uns entschieden einen Ausflug auf die Isla Zapatilla zu buchen. Die Insel bietet angeblich alles, was man von einer Karibikinsel erwartet. Unsere Gastgeberin Felicitas hatte uns einen Veranstalter empfohlen, der eine gute Tour anbietet. Diese war inklusive sogenanntem Deep-Boarding. Dabei wird ein gebogenes Brett an einem Seil am Boot befestigt, man hält sich am Seil fest und wird durch das Wasser gezogen. Lenkt man das Brett während der Fahrt nach unten, taucht man unter. So kann man die Unterwasserwelt betrachten ohne gross etwas dafür tun zu müssen. 

Wir trafen morgens pünktlich am Büro des Veranstalters ein, nachdem wir durch heftigen Regen hin gelaufen waren. Das Wetter sah wirklich nicht gut aus, wir waren etwas enttäuscht. So wie es aber aussah, würde die Tour stattfinden. Wir erhielten einen Plastiksack für unsere Sachen und konnten kurz darauf das Ausflugsboot besteigen. Unser Kapitän legte ab und wir fuhren los zu unserem ersten Stopp. Hierbei handelte es sich um eine ziemlich lange Fahrt und der Regen peitschte nur so auf uns ein. Wir konnten nicht anders als die Situation mit Humor zu nehmen. Was soll's? Unser Kapitän war auf jeden Fall ein ganz Lustiger. Irgendwann war der Regen so stark, dass er kaum schauen konnte. So zog er sich kurzerhand eine Taucherbrille über und lenkte so das Boot. Ich muss an dieser Stelle wohl kaum erwähnen, dass wir nach wenigen Minuten völlig durchnässt waren. Die Männer der Gruppe betrauerten bereits ihre Zigaretten.





Bevor wir endlich die Isla Zapatilla erreichten, machten wir noch einen Halt an einer kleinen Insel, in dessen Bäumen wir ein paar Faultiere erspähten. Einen weiteren Stopp legten wir zum Schnorcheln ein. Dort gab es viele Korallen zu sehen, allerdings war es nicht ganz so spektakulär. Was aber toll war: im Wasser war es wärmer als auf dem Boot. Anschliessend ging es zur Isla Zapatilla und diese gefiel uns trotz bewölkten Himmel sehr gut. Es hatte mittlerweile aufgehört zu regnen und einem doch noch schönen Aufenthalt stand nichts im Weg. Wir assen mit der Gruppe zu Mittag, danach machten wir uns vom Acker, um die Insel etwas zu erkunden.






Wir fanden ein schönes Plätzchen, wo wir es uns kurz gemütlich machten. Wir schwammen eine Runde und genossen das Wasser, bis wir plötzlich einen dumpfen Knall gefolgt von einem Platschen hörten. Vor uns war soeben eine äusserst reife Kokosnuss von der Palme und ins Meer gefallen. Wie cool war das denn? Ich wollte diese Kokosnuss unbedingt knacken. Ich lief hin und holte sie mir. Gemeinsam versuchten Jonas und ich daraufhin die hartnäckige faserige Schale herunterzubekommen. Wir schlugen sie auf einen Baumstamm und bearbeiteten sie mit einem Stein. Nach und nach bekamen wir die innere Nuss frei. Eine schweisstreibende Angelegenheit. 

Irgendwann verlor Jonas die Geduld und schleuderte die ganze Kokosnuss gegen einen Baum, so dass sie zersprang. Dabei ging leider das ganze Kokoswasser verloren. Im Inneren befand sich eine herrlich dicke Schicht Kokos, frisch und natürlich, gewachsen auf dieser abgelegenen Insel. Und sie war lecker, wir konnten nicht genug davon essen. Bevor wir die Insel verliessen, stand noch eine Runde Deep-Boarding auf dem Programm. Eigentlich eine ganz lustige Aktivität. Der Bootskapitän zog uns über das vorgelagerte Riff und wir kamen so nochmals in den Genuss, viele bunte Korallen zu bestaunen während wir über das Riff flogen. Abgesehen davon, dass ich mein Bikinihöschen fast verloren hätte, hat es zudem eine Menge Spass gemacht. 








Zum Abschluss geht's zur Playa Bluff


Am letzten Tag schnappten wir uns wieder die Fahrräder und fuhren diesmal nicht quer durch die Insel, sondern direkt an der Küste entlang zur Playa Bluff. Hier kamen wir an vielen Stränden vorbei, die alle recht einsam dalagen. Es gibt auf dem Weg auch einige Surfspot, allerdings ist April nicht gerade gut geeignet für das Surfen in Bocas del Toro. Die Wellen waren sehr klein und ich habe nur an einer Stelle ein paar kleine Jungs surfen sehen. Für die hat es so gerade gereicht. 

Nach rund einer Dreiviertelstunde erreichten wir unser Ziel. Die Playa Bluff bietet sieben Kilometer goldenen Sandstrand und riesige Wellen. Der Strand ist bekannt für die Schildkröten, die hier ans Ufer kommen und ihre Eier legen. Es hatte kaum Menschen dort als wir ankamen. Wir hatten ein paar Snacks mitgebracht und stärkten uns nach der langen Fahrradtour erst einmal. Anschliessend sprangen wir noch etwas ins Meer. Allerdings bin ich nicht ganz so weit ins Wasser gegangen, da die Strömung dort ziemlich heftig ist.







Time to Say Goodbye


Jonas Zeit in Zentralamerika auf Reisen neigte sich leider dem Ende zu. Er musste wieder zurück nach Utrecht und sich wieder auf sein Unternehmen konzentrieren. Von Bocas del Toro hatte er sich ein Ticket nach San Jose in Costa Rica organisiert, da von dort sein Rückflug ging. Die Fahrt ging fast den ganzen Tag und der Abflug sollte schon am nächsten Tag sein. An unserem letzten gemeinsamen Abend sind wir noch lecker auswärts essen gegangen. Wir hatten die Tage davor immer selbst gekocht, so gönnten wir uns mal einen feinen Burger bei Captain Caribe. 

Es war wirklich toll, eine Weile mit jemandem zusammen zu reisen. Auch wenn dies bedeutete, dass ich mich anpassen musste. Man muss sich absprechen und gemeinsam entscheiden, wohin man will und was man unternehmen möchte. Das darf nicht unterschätzt werden, vor allem, wenn man bisher selbständig gereist war, so wie ich. Ich würde es aber auf jeden Fall wieder so machen.