Aurelius Augustinus

Die Welt ist ein Buch. Wer nicht reist, sieht nur eine Seite davon.
~Aurelius Augustinus~

Sonntag, 2. April 2017

Guatever - zum Ersten

Guatemala ist so ein tolles Land! Das war mir vorher gar nicht klar. Ich bin ohne grosse Erwartungen hingefahren, eigentlich nur mit dem Wunsch Tikal zu besuchen. Ich habe auch nicht wirklich gross recherchiert, was man unbedingt sehen muss. Irgendwie hat sich alles ergeben, aber das war gut so. Obwohl man meinen könnte ich bin etwas planlos durch das Land getingelt. Immerhin war ich dreimal in Antigua. Vielfach habe ich einfach mit anderen Reisenden geredet und geschaut, was von deren Empfehlungen auch mir gefallen würde. Aber fangen wir mal von vorne an.


Wie kam ich denn von der Insel in Belize nach Guatemala?


Von der Ferne betrachtet klingt alles immer so kompliziert. Ist es dann aber irgendwie gar nicht mehr, wenn man erst einmal vor Ort ist. Touristen gibt es mittlerweile überall und ich reise schliesslich auf der touristischen Hauptverkehrsstrasse in Zentralamerika. Jeder nimmt dieselbe Route und dementsprechend sind die Einheimischen vorbereitet. Es gibt Tourbüros an jeder Ecke und man kann so ziemlich überall hin ein Ticket buchen. Meine erste Destination in Guatemala sollte Flores sein, in Norden des Landes gelegen und Ausgangspunkt für einen Besuch der Ruinen von Tikal. Ich marschiere also in eines dieser Reisebüros auf Caye Caulker und kaufe mir ein Kombiticket bis nach Flores, Bootsüberfahrt und Grenzübergang inklusive. 

Am nächsten Morgen legt das Boot nach Belize City ab, es ist genauso klein wie bei der Hinfahrt und ziemlich gut gefüllt. Auf Hafen in Belize City angekommen, muss man sich mit seinem Ticket bei der entsprechenden Agentur melden und sie stellen ein Busticket mit zugeteilten Sitzplätzen aus. Die Wartezeit von rund einer Stunde verbringe ich mit einem Pärchen aus Finnland, das mit seinem Baby quer durch Zentralamerika reist. Ohne Witz, der knapp Einjährige hat schon eine Menge bunter Stempel in seinem Reisepass. Und er ist ziemlich süss, wie er so hin und her kriecht, alles angrabscht und jeden anlächelt. 

Endlich können wir den Bus besteigen. Wieder ein Moment, wo ein paar Amerikaner bewiesen, dass sie nicht die Hellsten sind. Wir hatten zugewiesene Sitzplätze im Bus, hatte ich bereits erwähnt. Zahlen auf dem Ticket zu lesen und sich entsprechend dieser zu platzieren, schien für sie ein Ding der Unmöglichkeit. Da ich keine Lust hatte irgendwo zu sitzen, habe ich auf meinen Sitzplatz bestanden. Das war eventuell bisschen überkorrekt, aber es hat mich genervt, dass sie so ignorant waren. Und dann tun die auch noch so, als wäre ich im Unrecht. Hahaha, das ging voll nicht klar. Zufrieden sass ich dann nachher auf "meinem" Platz. 

Bis zur Grenze nach Guatemala waren es knapp zweieinhalb Stunden, die Zeit verging sehr schnell. Dort angekommen, mussten wir die Grenze zu Fuss überqueren. Unser Gepäck blieb im Bus. Um aus Belize auszureisen, muss man noch eine Ausreisegebühr entrichten, die alles andere als billig war. Eben, Belize ist einfach teuer. Es ging aber alles zum Glück sehr schnell. Wir marschierten über eine Brücke, die von weitem irgendwie wie eine Autowaschanlage aussah. Der Bus folgte uns kurze Zeit später und wartete bis wir offiziell eingereist waren. Dies darf man auf keinen Fall auslassen. Man benötigt den Stempel, um das Land wieder verlassen zu können. Dieser Stempel gilt als Visum für die C4 Region und ermöglicht einem den Aufenthalt von insgesamt bis zu 90 Tagen in Guatemala, El Salvador, Honduras und Nicaragua. 

Es ging alles ratz fatz und wir waren wieder im Bus Richtung Flores. Diesmal hatte ich einen neuen Sitznachbarn, einen sehr gesprächigen Guatemalteken mittleren Alters. Wir unterhielten uns halb auf Spanisch, halb auf Englisch über meine Reiseroute, guatemaltekisches Bier und schlussendlich zeigte er mir noch Fotos von seiner Frau. Ganz herzig. Es dauerte nochmals rund drei Stunden bis wir in Flores ankamen. Flores selbst ist eine kleine Insel im See Petén-Itzá, verbunden durch einen Damm mit der Stadt Santa Elena. In Santa Elena mussten wir auf kleine Vans umsteigen, da grosse Busse unmöglich auf die Insel kommen. Zu Fuss ging ich nach Ankunft im Zentrum zu meinem Hostel. Ich hatte mich im beliebten Los Amigos eingebucht. Fast jeder geht dorthin, wenn auch nur um einen Abend lang Party zu machen. 


Für den Sonnenuntergang nach Tikal


Tikal war für mich ein absolutes Muss. Eigentlich wollte ich dort den Sonnenaufgang erleben. Viele andere Reisende, die das gemacht hatten, erzählten mir aber, dass man nicht wirklich den Sonnenaufgang sieht. Es ist zu dieser Jahreszeit ziemlich neblig und es klart erst am frühen Vormittag auf. Auch die Mädels, mit denen ich Caye Caulker unsicher gemacht habe, hatten diese Tour gemacht und bestätigten dies. Ich entschied mich daraufhin für die Sonnenuntergangstour, die am Nachmittag startet und am späten Abend zurückkehrt. Eigentlich bin ich nicht so Fan von diesen Touren, aber es war vergleichsweise günstig und inkludierte einen Guide. 

Wir wurden am Hostel abgeholt und nach Tikal gefahren. Dort angekommen, muss man den Eintritt zahlen und wartet dann eine Weile bis der Guide auch startklar ist. Das war etwas mühsam, weil keiner wusste, was nun passiert. Ich bin da ja immer recht ungeduldig, möchte am Liebsten sofort los und alles entdecken. Das ist eben auch ein Nachteil bei Gruppentouren, man wartet immer auf jemanden und es geht nicht unbedingt zügig voran. Dafür erhält man vom Guide sehr nützliche Informationen und kann sich eher vorstellen, wie es damals war. 


Die antike Maya-Stadt Tikal


Tikal befindet sich inmitten des Dschungels und die steilen Pyramiden sind teilweise so hoch, dass sie den grünen Urwald überragen. In den Bäumen und Palmen kann man Brüllaffen oder Tukane entdecken. Um 700 v.Chr. liessen sich die Maya in dieser Gegend nieder und gründeten eine dicht besiedelte Stadt von grosser religiöser, kultureller und wirtschaftlicher Bedeutung. Rund 1'600 Jahre später begann der Niedergang der Stadt, genaue Gründe dafür sind nicht bekannt bzw. werden noch in der Forschung diskutiert. Heute ist das gesamt Gebiet um Tikal Nationalpark-Gelände und Weltkulturerbe. 

Unser Rundgang begann am Besucherzentrum und dem kleinen Museum von Tikal. Dort gibt es ein Modell der gesamten Anlage, das verdeutlicht, wie gross das ganze Gebiet ist und wie gross die Wahrscheinlichkeit ist, dass es noch weitere Gebäude gibt, die derzeit noch vom Dschungel überwuchert sind. Ich werde hier jetzt nicht jedes Tempel und Gebäudekomplex aufführen. Was mir persönlich gut gefallen hat, ist die Tatsache, dass man viele der Gebäude über die durchweg steilen Treppen besteigen kann. Mir gefiel es auch mitten zwischen diesen teilweise bis zu 60 Meter grossen Pyramiden zu stehen und mir vorzustellen, wie es früher wohl war, als um die 100'000 Menschen in Tikal lebten, handelten und kämpften. 

Zum Abschluss ging es zum Templo IV, dem höchsten Bauwerk in Tikal. Hier stiegen wir hinauf, um den Sonnenuntergang zu betrachten. Oben angekommen, fragte ich mich erst einmal, wie das gehen sollte, wenn die Westseite der Pyramide abgesperrt war. So schauten wir erst einmal Richtung Osten , wo sich einem ein wunderschöner Blick auf die anderen Tempel bietet, die aus dem Urwald rausragen. Irgendwann merkte ich dann, dass nach und nach einige Leute verschwanden. Ich folgte ihnen und stellte fest, dass sie unter Anleitung des Guides über die Absperrung kletterten und zur anderen Seite des Tempels gingen. Aha, so kommt man also doch noch zum versprochenen Sonnenuntergang auf der so genannten "Sunset Tour". Gewusst wie. Da war ich natürlich auch grad dabei. 

Nach dem Sonnenuntergang und Anbruch der Dunkelheit verbrachten wir noch ein paar Minuten auf dem Hauptplatz. Die ersten Sterne gingen auf und ich fand es einen ganz speziellen Moment. Also, wenn da nicht die ganzen anderen Leute gewesen wären. Alle schnatterten und kreischten durcheinander. Was ist nur los mit den Menschen? Warum können sie nicht einen kurzen Augenblick ruhig sein und geniessen? In solchen Momenten wie diesen interessiert es doch echt niemanden, wo man schon war und wie viel Party man da gemacht hat. Man steht im guatemaltekischen Dschungel in einer antiken Maya-Stätte inmitten der steil aufragenden Pyramiden, es ist stockdunkel, die Sterne gehen auf und rund herum erwacht die Tierwelt mit der Geräuschvielfalt des Urwalds. In meinen Augen sind wir sehr privilegiert, so etwas erleben zu dürfen und ich bin dankbar dafür. 





Ein Tag am See in Flores


In der Regel bleiben viele Reisende nur zwei Nächte in Flores, besuchen Tikal und ziehen weiter. Ich wollte aber nicht ganz so schnell reisen und fand, dass man ruhig auch einen Tag am See verbingen kann. Es ist möglich, ein Kayak auszuleihen und damit kreuz und quer über den See zu fahren, um an bestimmten Orten anzuhalten. Einer dieser tollen Ort, wo wir hingerudert sind, ist Jorge's Rope Swing. Dabei handelt es sich um ein kleines Restaurant am Seeufer, zu dem ein paar Sprungtürme und ein super langes Schwingseil gehören. 

Bei solchen Sachen bin ich gleich dabei. Mehrmals schwang ich mich mit dem Seil über den See und liess im richtigen Augenblick los. Teilweise war das schon einige Meter hoch. Aber echt ein Spass. Es gibt sogar ein Video von mir auf Instagram. Nach dem wir wieder zurückgerudert waren, bin ich noch etwas durch das Städtchen auf der Insel geschlendert und habe ein paar Bilder gemacht. Es gibt nicht viel zu sehen, aber irgendwie ist es doch ganz nett dort. Mein Hostel war auch sehr cool, um ein bisschen abzuhängen. 




Auf geht's nach Semuc Champey


Das war eine sehr lange Reise... und der letzte Teil verlief über eine äusserst holprige Strecke. Also absolut kein Spass. Nur, es hat sich total gelohnt. Semuc Champey ist zwar unter den Reisenden schon lange kein Geheimnis mehr; jeder sagt, man muss dort unbedingt hin; es ist nur noch nicht so gut erreichbar. Es hat genügend Unterkünfte und auch jede Menge Anbieter für Touren. Ich habe nur zwei Nächte für den Aufenthalt dort eingeplant. Ich kam spät am Abend an und bin früh am Morgen abgefahren. Somit hatte ich nur einen ganzen Tag und dafür hatte ich die Tagestour in den Nationalpark geplant. Das mag jetzt alles etwas unspektakulär klingen, war aber ein Tag voll Abenteuer für mich. 

Es ging morgens los, wir wurden von einem Pickup abgeholt und zum circa elf Kilometer entfernten Eingang zum Park gefahren. Schon diese Fahrt war speziell. Auf der Ladefläche des Pickups ging es im Stehen über eine holprige Strasse bergauf und bergab bis wir endlich unsere erste Station an diesem Tag erreichten. Dabei handelt es sich um eine Höhle mit einem unterirdischen Fluss. Nur mit Bikini und Sportschuhen bekleidet ging es bewaffnet mit Kerzen in die Höhle. Das war wohl mit das skurrilste, was ich in Guatemala gemacht habe.


Ein Abenteuer jagt das nächste


Wir laufen also in die Höhle, zünden die Kerzen an und der Guide gibt eine kurze Einleitung. Mit Russ bemalt er uns die Gesichter und kurz darauf sind wir bereit für unsere Abenteuer. Ich sage schon mal vorweg, in manch anderen Ländern wäre so eine Tour aufgrund von Sicherheitsbestimmungen unmöglich. Die Höhle ist stockfinster und wir hatten nur Kerzen. Zwischendrin war der Fluss so tief, dass wir schwimmen mussten. Wohl bemerkt, mit der Kerze in einer Hand. Aber es hat Spass gemacht. Wir kletterten an Seilen hoch, sprangen von meterhohen Felsvorsprüngen in tiefe Wasserlöcher und das alles unter der Erde. Wirklich ziemlich cool. 


Sobald wir wieder aus der Höhle raus waren, ging es auch schon weiter zur nächsten Aktion. Wir liefen bewaffnet mit grossen Schwimmreifen zu einem Wasserfall. Von dort aus wollten wir uns auf den Reifen den Fluss entlang trieben lassen. Auf dem Weg dahin, liefen wir an einer Schaukel vorbei. Diese Art Schaukel, von der aus man sich ins Wasser stürzt. Hier habe ich das erste Mal verzichten müssen. Ich war mir nicht sicher, ob ich es hinbekomme. Und nachdem eines der Mädels gesprungen ist, war ich mir sicher die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Sie hat etwas zu früh losgelassen und statt senkrecht ins Wasser zu fallen, machte sie einen enormen Bauchklatscher. In dem Moment war es lustig, aber als sie auftauchte, schien sie krasse Schmerzen zu haben. 

Besonders witzig war, dass es sie nicht davon abhielt ein weiteres Mal zu springen. Und was war? Sie sprang wieder zu früh ab und um den drohenden Bauchklatscher zu vermeiden, drehte sie sich auf die Seite und kam schliesslich mit blauen Flecken am Oberschenkel raus. Tja, ich sage mal so, der ältere Franzose, der uns zuschaute, hat Tränen gelacht. Und unser Guide hat immer wieder gesagt, dass er es doch erklärt hätte. Er ist schier verzweifelt. 

Also, irgendwann kamen wir an der Stelle an, wo wir mit den Reifen starten sollten. Zuerst bildeten wir ein Riesenfloss. Nach und nach gingen alle ins Wasser und hielten sich an den anderen fest. Sobald alle sassen, konnten wir loslassen und uns treiben lassen. Auch dies war ziemlich toll. Plötzlich stürmten ein paar Locals mit Reifen und kleinen Kühlboxen ins Wasser. Sie hatten Bier dabei und wollten, dass wir es ihnen abkauften. Ehe ich mich versah, hatte ich eine Halbliterdose in der Hand. Naja, was soll's. So trieben wir also dahin und tranken genüsslich unser Bier. 





Bevor wir dann zum Mittagessen gingen, stand noch eine weitere Mutprobe auf dem Plan. Ein Sprung von der zwölf Meter hohen Brücke, die den Fluss überquert. Oh man, das war echt krass. Aber ich musste es tun. Ich kletterte über die Brüstung und sprang. Einfach so! Hätte ich dort zu lange gestanden und überlegt, hätte ich es mir wohl anders überlegt. Das Mittagessen mit frisch grilliertem Fleisch hatte ich mir danach richtig verdient. 

Nach dem Mittagessen ging es endlich zu den berühmten Kalksteinbecken mit türkisen Wasser. Dies ist nämlich Semuc Champey. Alles davor lag noch ausserhalb des Nationalparks. Bevor wir uns dort ins kühle Nass stürzen konnten, stiegen wir zum Aussichtspunkt hinauf. Das hat sich definitiv gelohnt, denn nur von dort oben kann man die verschiedenen Becken und den Verlauf des Wassers sehen. Die Aussicht war toll, aber wir konnten es kaum erwarten wieder hinunterzugehen und endlich eine Runde schwimmen zu gehen. 

Das war wieder ein Abenteuer für sich. Wir sprangen von Becken zu Becken, rutschten an einigen Stellen ins nächstgelegene Becken oder tauchten ab, um winzige Höhlen zu erkunden. Es war einmalig und schön erfrischend. Ein absolut gelungener Tag und definitiv eine empfehlenswerte Tour. 




Wenn du ein Ticket hast, aber irgendwie doch nicht


Am nächsten Morgen sollte ich früh am Morgen mit dem Shuttle nach Antigua weiterfahren. Das Ticket dafür hatte ich bereits in Flores gekauft. Als ich dann aber das Shuttle besteigen wollte und mein Ticket zeigte, hiess es, dass ich nicht auf der Liste bin. Ich hatte zwar ein Ticket, der Ticketverkäufer hatte mir aber keinen Platz gebucht. Ja, und was nun? Was wohl? Ich habe diskutiert. Was geht ab? Schlussendlich hatte ich Glück, ein Typ ist einfach nicht aufgetaucht und ich konnte seinen Platz haben. Natürlich nicht, ohne dass ich noch ein paar Dollar extra zahlen musste. Hier habe ich dann endgültig kapiert, dass Reisen in Mittelamerika etwas ganz anderes ist als in Asien oder Ozeanien. 

Egal, ich war auf dem Weg nach Antigua. In diesem Sinne, Guatever! Weitere Abenteuer aus diesem tollen Land folgen. 


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen